Porträt : Mann mit Eigenschaften

Der Erfolgs-Comedian Bastian Pastewka entdeckt den tragischen Schauspieler in sich. Dabei gehört er nicht zu denjenigen, die zum Set kommen und meinen, sie würden alles mit ihrer spontanen Kreativität hinbekommen.

Detlef Vetten
Bastian Pastewka hat sich in der Sat-1-„Wochenshow“ einen Namen gemacht. Nach weiteren komischen Einsätzen im Kino darf der 40-Jährige nun in der ZDF-Primetime ran. Foto: dpa
Bastian Pastewka hat sich in der Sat-1-„Wochenshow“ einen Namen gemacht. Nach weiteren komischen Einsätzen im Kino darf der...Foto: dapd

Bastian Pastewka hat, so scheint es zumindest, ein annähernd ungebrauchtes Gesicht. Scheckheftgepflegt sozusagen, aus erster Hand. Fabrikneu. Dabei ist Pastewka schon 40. Er hat sich nicht geschont und ist bisweilen brüsk zu sich gewesen. In seinem Beruf – seit 1990 ist er im Geschäft – hat er sich immer hart rangenommen. Eigentlich müssten da bei einem 40-Jährigen Spuren im Gesicht sein. Nicht bei Pastewka. Schöne Wimpern, Augen mit Tendenz zum Traurigen, Ansatz zum Doppelkinn. Glatte Haut, nicht blass und nicht gebräunt. Nettes Lachen – mal leise, mal lustig bis zu den Ohren. Große Aufmerksamkeit beim Zuhören. Das Gesicht des Schauspielers und Comedians Bastian Pastewka ist erst mal ohne große Eigenschaften. Der Mann ist auf keinen Typ festgelegt: nicht auf den Macho, nicht auf den Streber, nicht auf den Intellektuellen, nicht auf Everybody’s Möchtegern-Darling. Nein, Bastian Pastewka ist als Typ erst mal nicht da. Aber wenn er will, kann er sie alle: die Macker und die Mimosen, die Schurken und die Schleimer. Das ist schließlich sein Metier, die Verwandlung.

Er lässt den Blick durchs Café wandern, dann sagt er: „Ja, eigentlich mag ich mein Gesicht. Ich halte das ganz gut aus, morgens in den Spiegel zu schauen.“ Schon als Schüler hat er gelernt, seine Verwandlungsfähigkeit zu instrumentalisieren. Der Sohn einer Grundschullehrerin und eines Agrar-Ingenieurs merkte, dass die Menschen gerne über ihn lachen. Er baute das Abi, schrieb sich für Germanistik, Pädagogik und Soziologie ein und versuchte sich als Student. Hat nicht funktioniert, war nicht sein Ding. Es trieb ihn auf die Bühne.

So tingelte er, unter anderem mit dem Freund Bernhard Hoecker, über die Lande. Witzelte und grimassierte vor zwölf oder 20 Menschen. Viele waren’s noch nicht, die den Pastewka sehen wollten – und von denen, die im Zuschauerraum saßen, hatten sich gern mal drei in der Veranstaltung geirrt. So beginnen die Karrieren von Comedians oft. Da muss einer durch. Diese Anfänge sind die Phase des Sich-Ausprobierens. Eine zähe, zauberhafte Zeit war das. „Wir waren manchmal grottenschlecht, doch auch das war wichtig. Nur so konnten wir das Handwerk lernen.“ Und wie sie sich ausprobiert haben. Einmal fuhren sie zu einem Gastspiel rheinaufwärts. Dort traten sie auf und floppten fürchterlich. „Ich litt wie ein Hund, wollte nur noch weg, wollte mich eine Woche verkriechen. Und was macht der Hoecker? Der geht da raus zu den Zuschauern, hüpft vor denen rum und quäkt ,War ich schlecht, echt, war ich schlecht, wie schlecht war ich denn?‘ Ich habe ihn sehr beneidet.“

Bastian Pastewka hat sich für sein Gesicht das komische Fach ausgesucht. Er wurde durch seine Auftritte in der „Wochenshow“ landesweit als der tuntige Brisko Schneider bekannt, an der Seite von Anke Engelke erspielte er sich den Grimme-Preis, die Ehrungen bekam er im Dutzend. Er hat sich in „Der Wixxer“ eine Rolle auf den Leib geschrieben, weil er unbedingt beim Film andocken wollte. In der Branche schätzen sie ihn als exzellenten Synchronsprecher, er füllt die Theater der schönsten Boulevards. Pastewka hat es geschafft.

So richtig wichtig ist das aber dann nicht. Bekannte sagen Pastewka nach, er sei ein Workaholic. Ja, meint er, „ich arbeite sehr gerne. Ist nun mal so, kann nix dafür.“ Er lächelt sein kleines Lächeln. Dann lässt er sich wieder ernst sein. Erzählt von der Arbeit. Perfekt hat er sie gern. Er kann die Künstler nicht ausstehen, die zum Job kommen und meinen, sie würden alles mit ihrer spontanen Kreativität hinbekommen. „Ich erwarte nicht, dass ‚mein’ Regisseur vor Drehbeginn sein Werk bis ins letzte Detail bewerten kann. Aber zu glauben, ,das wird schon‘, oder ,im Schnitt mach ich’s Beste draus‘ kann böse nach hinten losgehen.“

Nur keine Überraschungen. Das Leben, so ist die Philosophie des Bastian Pastewka, muss man im Griff haben. „Schlechte Tage? Habe ich nicht so häufig. Doch, warten Sie: Wenn ich morgens aufstehe und merke, dass ich mir zu viel auf den Zettel geschrieben habe, dann werde ich nervös. Ich will mein Pensum abarbeiten. Wenn der Plan ist, mir was für den Computer zu besorgen, dann stehe ich schon um zehn vor neun vor dem Media Markt – die Dinge müssen schließlich erledigt werden.“

So ist er auch im Job. Unlängst drehte er mit Judy Winter die Komödie „Mutter muss weg“, die an diesem Donnerstag im ZDF zur Primetime läuft. Da soll er planen, die Mama abzumurksen – eine Aufgabe, der der Film-Pastewka so gar nicht gewachsen ist, also wird ein Killer geheuert. Dann stolpert Bastian-Bubi von einer Peinlichkeit in die nächste. Eine Rolle zwischen Kammerspiel und Slapstick. Damit kann man ganz schön baden gehen.

Rückblende, zum Dreh. Es war in einem piekfeinen Hotel im Berliner Grunewald. Die Crew des ZDF-Films hatte sich auf einer ganzen Etage breitgemacht. Harter Drehtag, schwierige Szenen. „Der Pastewka ist ein Perfektionist“, raunte einer aus der Crew. Das klang wie eine Mischung aus Bewunderung und Ärger. Dieser Pastewka konnte alles, hatte nie einen Hänger, machte seine Sache beim ersten Take fabelhaft. Dann war er immer noch unzufrieden. Manchmal war es, als ob Bastian Pastewka so einer war, der nicht alle viere gerade sein lassen konnte. Mittagspause. Pastewka ließ sich in einen Korbstuhl fallen. „Ist eine schwere Rolle“, sagte er. Er sah sehr spießig aus in seiner unkleidsamen Hose und dem angeschwitzten Hemd: „Ich mache die Rolle nur gut, wenn ich mich in der Person, die ich bin, unwohl fühle. Und ich fühle mich nicht gut.“

Ein paar Wochen später, im Charlottenburger Café, meint er: „Das war ein schwieriger Dreh. Wissen Sie, in solchen Augenblicken bin ich froh, dass ich das Handwerk gut gelernt habe. Es geht dann nicht darum, groß aufzuspielen. Die Kunst liegt in den kleinen Veränderungen. Es ist nicht die laute Pose, es ist das Leise, was die Menschen mitnimmt. Pastewka schaut auf seine Tasse und denkt einen Augenblick nach, bevor er sehr zögernd sagt: „Ich glaube, das ist mein Talent. Das macht mich aus. Ich kann kleine Sachen mit meinem Gesicht.“

Dann verabschiedet man sich, und Pastewka tritt hinaus in die große Stadt. Er mengt sich unter die Passanten und ist weg: der Mann mit ohne Gesicht.

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