Satire in Nahost : Lacht um euer Leben

18.10.2012 00:00 Uhrvon
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Der arabische Frühling hat viel verändert, doch die Revolutionen sind noch nicht vorbei. Die Bevölkerung reagiert mit schwarzem Humor. Doch geht das? Über Satire im Angesicht blutiger Auseinandersetzungen.

Baschar al Assad ist ein bisschen nervös. Er sitzt in einer Gameshow und die Konkurrenz ist stark: Muammar al Gaddafi und Husni Mubarak wollen auch gewinnen bei: „Wer wird Massenmörder?“ Natürlich moderiert bei dieser makabren Sendung nicht Günther Jauch sein RTL-Quiz „Wer wird Millionär?“, sondern sein syrisches Pendant.

Die drei Diktatoren werden dargestellt von Handpuppen. In der arabischsprachigen Youtube-Serie „Top Guun: Tagebücher eines kleinen Doktors“ wird Augenarzt und Autokrat Assad regelmäßig der Lächerlichkeit preisgegeben. Zehntausende Syrer haben über die satirischen Clips gelacht. Aber geht das überhaupt: Lachen beim Thema „Massenmörder“, im Angesicht des Schreckens eines langen, blutigen Bürgerkrieges?

In einem Vorort unweit der ägyptischen Hauptstadt Kairo bereitet sich Bassem Youssef auf seine Show vor. Youssef moderiert die einzige satirische Sendung im ägyptischen Fernsehen. „Wenn wir nicht mehr lachen können, werden wir verrückt“, sagt er. Noch zu Mubaraks Zeiten hat er, wie die Macher von „Top Guun“, auf eigene Faust im Internet angefangen. Als auf dem Tahrirplatz die Demonstranten von Kamelreitern und von Polizisten zusammengeschlagen wurden, zeigte er Videomaterial davon. Als Audiospur legte er einen Kommentar über die Bilder, die zu der Zeit im ägyptischen Staatsfernsehen liefen: Der Tahrir sei wie ein großer Karneval, wo nur getanzt würde und die Demonstranten unter Drogen stünden. Er stellte den Clip online und die satirische Entlarvung der Lügen im Staatsfernsehen machte ihn über Nacht zum Star. Sechs Monate später nahm ihn der Fernsehsender „On Tv“ unter Vertrag, seitdem begleitet Youssef die Entwicklung der arabischen Revolutionen im Stil der ZDF „heute show“.

„Wir erleben sehr viel Leid, Lachen kann da auch ein Ventil sein. Für mich ist es das“, sagt Youssef. „Satire ist ein anderer Zugang.“ Damit könne man auch schwierige Themen anpacken, ohne sie stundenlang zu diskutieren. Vor allem jetzt. Die sogenannte „Arabellion“: Seitdem die diktatorischen Regimes in Ägypten, Libyen und Tunesien gestürzt wurden, drängen jene Meinungen an die Öffentlichkeit, die sonst hinter verschlossenen Türen verhandelt werden, auch werden die Witze gemacht, über die man früher im Privaten lachte.

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