Talk auf höchstem Niveau : Richard David Superstar

24.07.2012 00:00 Uhrvon
Wo ist er, und wenn ja, wie viele? Die Sendung mit Richard David Precht scheint in einer Dunkelkammer stattzufinden. Foto: Johannes Louis
Wo ist er, und wenn ja, wie viele? Die Sendung mit Richard David Precht scheint in einer Dunkelkammer stattzufinden. - Foto: Johannes Louis

Anspruchsvoll und dennoch verständlich soll die Sendung werden: „Precht“ heißt das neue Philosophieformat im ZDF, Anfang September geht's los. Der Sender feiert schon mal sich und die neue Kraft.

Soll keiner sagen, das ZDF habe keine Philosophie. Jetzt, da das „Nachtstudio“ und das „Philosophische Quartett“ abgeräumt sind, muss Richard David Precht ins Studio. Am Sonntag, 2. September 2012, 23 Uhr 30, lädt er zur Premiere von „Precht“. In der 45-minütigen Sendung will er mit einem Gast aus Wirtschaft, Politik, Kultur oder Wissenschaft über wichtige Themen der Gesellschaft und des Lebens reden. Die Fertigung von „Precht“ übernimmt Produzent, Regisseur und Fernsehautor Gero von Boehm, ein Mann von Gewicht.

Das Philosphieformat wird sechs Mal im Jahr sonntags im ZDF ausgestrahlt, für 2012 sind vier Ausgaben geplant, informierte der Sender am Montag.

ZDF-Kulturchef Peter Arens jubilierte, „wir setzen die philosophischen Gedankenflüge am Sonntagabend weiter fort und schlagen zugleich ein ganz neues Kapitel auf: Das ZDF freut sich auf Richard David Precht, den Philosophen, der wie kein Zweiter in Deutschland das Modell des bürgernahen, sichtbaren, engagierten Intellektuellen etabliert hat.“ In dieser Erwartungshaltung ist es nicht falsch, dass die vom Sender gepriesene Trias von „Philosoph, Publizist und Bestsellerautor“ sich eines Themas annimmt, das laut ZDF Eltern und Kindern nach dem Ende der Sommerferien gleichermaßen unter den Nägeln brennt: „Skandal Schule – Macht lernen dumm?“ Ehrlich gesagt, würde das Thema auch in jede der gängigen Talkshows passen.

Als Gesprächspartner hat Precht den Neurobiologen, Hirnforscher und Bildungskritiker Gerald Hüther eingeladen, der die These vertritt, dass die Schule, wie wir sie kennen, am Ende sei. In der ersten Ausgabe von „Precht“ steht das Bildungssystem auf dem Prüfstand, sagt der Sender. Darunter macht es die Novität nicht.

Überhaupt, das ZDF stellt den promovierten Germanisten überlebensgroß ins Schaufenster. So werde der 47-jährige Solinger in seiner neuen Sendung althergebrachte Seh- und Denkgewohnheiten hinterfragen. Sein Ziel sei es, die Philosophie im Dialog mit anderen Disziplinen zurückzuführen zu ihrer eigentlichen Aufgabe: die Probleme der Menschen in ihrem Alltag zu verstehen und nach einer Lösung zu streben. Von großen Grundbegriffen wie Freiheit, Moral oder dem Verhältnis zur Natur werde die Rede sein, bis hin zu ganz handfesten Problemen wie der Finanzkrise oder der Zukunft der Demokratie.

Der kluge Precht dreht die Regler sofort wieder runter. „Die Sendung ist eine Gesprächssendung in hoch konzentrierter Atmosphäre. Die Kunst wird darin bestehen, ein philosophisches Gespräch zu führen, das anspruchsvoll und dennoch breit verständlich ist.“ Er berechnet, anders als das laut tönende ZDF, ein Scheitern leise mit ein.

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