TV-Kritik zu Jauch und Precht : Macht der Computer blöd?

03.09.2012 08:37 Uhrvon
Die Frage, ob das Internet dumm macht, stand bei Günther Jauch im Mittelpunkt. Foto: dapd
Die Frage, ob das Internet dumm macht, stand bei Günther Jauch im Mittelpunkt. - Foto: dapd

Es führt wohl kein weg dran vorbei: Wir verdummen! Und Schuld daran sind Computer und auch die Schule. Doch bei "Jauch" und "Precht" gab es immerhin noch etwas Widerspruch.

Gleich zwei Hirnforscher als Stargäste in zwei Talkshows am selben Abend, Manfred Spitzer bei Jauch in der ARD und Gerald Hüther bei Precht im ZDF – wobei „Precht“ keine Talkshow sein will, sondern ein Gespräch unter Wissenden. Der zu diskutierende Sachverhalt indessen war im Ersten und Zweiten der gleiche: Wir verdummen. Daran sind, wie Spitzer meint, die Computer schuld, die uns das Denken abnehmen. Und dann ist da noch unser Schulsystem, das, wie Hüther sagt, total antiquiert ist und aus neugierigen Kindern angepasste Blödlinge macht.

Keine guten Aussichten. 

Bei Jauch immerhin stieß die triste Diagnose auf lebhaften Widerspruch. Ranga Yogeshwar verteidigte den Computer als „toll“ und sah das Problem lernschwacher Kinder eher bei Eltern, die sich nicht kümmern. Klaus Peter Jantke pries die kommunikativen Funktionen der digitalen Welt, Pessimist Spitzer kriegte ordentlich Contra. Und Jauch half der Debatte mit Einspielern über den Wiederholungszwang der Fortschrittskritik, der bei jeder epochalen Erfindung Urständ feiert.

Schon das Auto wurde als Irrläufer verschrien, Kaiser Wilhelm glaubte ans Pferd. Aber Spitzer hatte so seine Studien und Zahlen parat, und man fürchtete mit ihm, dass gegoogeltes Wissen nicht so lange vorhält wie selbst exzerpiertes. Aber auch das ist wohl nur eine Frage des Wie. Man kann beim Copy-and-paste den Inhalt auch laut vorlesen, das dürfte helfen. Am Schluss gewann die PC-Fraktion nach Punkten. Ein Schulleiter, der das „Ende der Kreidezeit“ eingeläutet und die Schiefertafel durch ein riesiges Smartboard ersetzt hat, erhielt donnernden Applaus.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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