Unter Beobachtung : Tatort Internet

Eine ARD-Dokumentation zeigt, wie schnell jeder zum Opfer von Cybergangstern werden kann. Aus aktuellem Anlass verschiebt die ARD die Dokumentation allerdings auf den 10. März.

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Hase und Igel: Sicherheitsexperten halten Ausschau nach Bedrohungen. Foto: NDR
Hase und Igel: Sicherheitsexperten halten Ausschau nach Bedrohungen. Foto: NDRFoto: NDR

Gerade einmal 15 US-Dollar, so viel ist die digitale Identität eines Menschen wert. Für diesen Betrag werden von der Internet-Mafia komplette Personendaten mit Sozialversicherungsnummer und Mädchennamen der Mutter verkauft, eine Kreditkartennummer gibt es bereits für einen Dollar. Für die Dokumentation „Angriff aus dem Internet – Wie Online-Täter uns bedrohen“ hat sich der ARD-Korrespondent und Grimme-Preisträger Klaus Scherer auf beiden Seiten des Atlantiks umgehört, hat mit BKA-Chef Jörg Ziercke genauso gesprochen wie mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Scherer reiste von New York nach San Francisco, von Pittsburgh bis nach Alexandria, um mit den Experten von FBI und privaten Internetsicherheitsfirmen zu reden. Das wichtigste Ergebnis seiner Recherchen ist: Jeder kann zum Opfer der Cybergangster werden. Ob nun als Privatperson, der die virtuelle Identität geklaut wird, oder als Bankkunde, dessen Konten geplündert werden. Oder als Firma, der mit digitalen Sabotageaktionen gedroht wird, wenn sie den Erpresser nicht bezahlt. Bis hin zu Staaten wie Georgien oder Iran, die sich der Waffe des Cyberwar gegenübersehen.

Das alles ist nicht gänzlich neu, dennoch haben sich Scherers Fahrten gelohnt, weil sie den Opfern der anonymen Bedrohungen ein Gesicht geben. Eines gehört der 16-jährigen Nicoletta. Die Schülerin aus Deutschland ist auf eine vermeintlich harmlose E-Mail hereingefallen. „guck mal auf das bild wer da drauf ist. Kennst du davon einen“, stand darin, doch an Stelle des Fotos wurde heimlich ein Schadprogramm installiert, mit dem die Webcam an ihrem Computer ferngesteuert wurde. Von nun an konnte der Hacker sie immer beobachten, wenn ihr Computer mit dem Internet verbunden war. Der Angriff auf die Privatsphäre des behüteten Mädchens aus der ruhigen Reihenhausgegend ist kein Einzelfall, wie Scherer feststellte. Nach einer Fehlfunktion seines Programms flog der Hacker auf und wurde in Aachen wegen Ausspähens von Daten und dem Eindringen in die Privatsphäre in hunderten Fällen zu 22 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Ein anderer Fall, die gleiche Technik führt Scherer nach Philadelphia. Diesmal handelte es sich beim Täter um keinen Unbekannten, hier hatte eine Schule die eigenen Schüler per Webcam beobachtet. Die virtuelle Observation wurde erst bekannt, als die Schule sich bei den Eltern eines Schülers wegen eines vermeintlichen Medikamentenmissbrauchs meldete. Die angeblichen Pillen waren zwar nur Süßigkeiten, dennoch hinterließ die Angelegenheit mehr als nur einen schlechten Geschmack.

Besonders interessant wird es für die Hacker immer dann, wenn schnelle Gewinne locken. Bei geringstem Risiko, weil es gerade die Banken den Betrügern zu leicht machen, wie der US-Sicherheitsexperte Richard Clarke meint. Weil das Online-Banking für die Institute so profitabel sei, fielen Verluste durch Online-Betrug immer noch kaum ins Gewicht. Ändern werde sich erst etwas, wenn die Versicherungen diese Verluste nicht mehr decken.

Das Streben nach Sicherheit im Online-Banking ist auch in Deutschland ein Hase-und-Igel-Spiel, sagte Innenminister Thomas de Maizière. „Die Banken haben schon viel gemacht und müssen in Zukunft noch viel mehr tun“, sagt der Minister. Dabei reicht die Bedrohung längst weiter als gemeinhin bekannt. BKA-Chef Zierke berichtet vom Angriff auf eine norddeutsche Spedition. Sie wurde von einem Konkurrenten ausgespäht, der das Unternehmen bei Biet-Wettbewerben unterbieten wollte. In einem anderen Fall wurden die Rechner einer Spedition gehackt, um so Informationen über die LKW-Fahrten mit besonders wertvoller Fracht zu erhalten. Kurt Sagatz

„Angriff aus dem Internet – Wie Online-Täter uns bedrohen“. Wegen des Todes von Filmproduzent Bernd Eichinger hat die ARD die Dokumentation auf den 10. März verschoben.

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