Wochenzeitung aus Berlin : AfD und Pegida bescheren "Junger Freiheit" Auflagenrekord

Die „Junge Freiheit“ feiert einen Auflagenrekord – der mit dem Aufstieg von AfD und Pegida einhergeht.

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Vor 30 Jahren ist die „Junge Freiheit“ von Dieter Stein gegründet worden.
Vor 30 Jahren ist die „Junge Freiheit“ von Dieter Stein gegründet worden.Foto: Promo

Als „Lügenpresse“ ist auch Dieter Stein schon beschimpft worden. Beispielsweise als er ein scharfes Porträt über den Kurs des thüringischen AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke schrieb. Das habe einigen Lesern gar nicht gepasst, erzählt Stein.

Kein Wunder, sind die Leser von der „Jungen Freiheit“ (JF) doch eher wohlwollende Töne gewohnt, wenn es um die rechtspopulistische Partei geht. Stein, 48, ist Chefredakteur der Wochenzeitung mit Sitz in Berlin-Wilmersdorf. Vor 30 Jahren gründete er die Zeitung zunächst als Schüler- und Studentenblatt – im Jubiläumsjahr 2016 kann er nun einen neuen Auflagenrekord vermelden, der eng verknüpft ist mit dem Aufstieg von AfD und Pegida.

Auflage wächst um 16 Prozent

Um 16 Prozent legte die verkaufte Auflage der „Jungen Freiheit“ im vierten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahresquartal zu, sie liegt nun bei wöchentlich rund 26 000 Exemplaren. Seit der Gründung der AfD im Februar 2013 verzeichnete sie bei der verkauften Auflage sogar ein Plus von fast 25 Prozent.

„Vor allem mit der Asylkrise seit Mitte 2015 können wir deutlich gestiegene Verkaufszahlen und auch Zugriffe auf unsere Website verzeichnen“, erklärt Stein. Er sagt nicht „Asylthema“ oder „Asyldebatte“, sondern „Asylkrise“ – was eine unvoreingenommene Diskussion über das Thema von vornherein ausschließt. Auf der Website der „Jungen Freiheit“ wird ein Dossier zur „Asylkrise“ angeboten.

Gerade deshalb ist es bemerkenswert, wie Stein den Begriff „Lügenpresse“ erklärt. „Viele Leute fühlen sich bevormundet von den Medien, der Begriff ,Lügenpresse‘, den ich in seiner Pauschalität ablehne, bringt zum Ausdruck, dass veröffentliche Meinung und die Wahrnehmung von Themen in Teilen der Gesellschaft auseinanderdriften.“ Ist die Formulierung „Asylkrise“ aber etwa keine Bevormundung? Auf ihrer Website wirbt die „Junge Freiheit“ damit, „exklusiv über Themen“ aufzuklären, die „von den Medien verschwiegen werden“. Doch zeigen die Reaktionen auf Steins Kritik an Höcke, dass für manche Leser offensichtlich nur die Meinung die wahre ist, die ihrer eigenen entspricht.

14 Redakteure arbeiten für die „Junge Freiheit“, bekannte rechtskonservative Autoren schreiben regelmäßig für die Zeitung. In der aktuellen Ausgabe beispielsweise Nicolaus Fest, der sich im Oktober 2014 nach einem Streit um einen islamkritischen Kommentar als Vizechef von der „Bild am Sonntag“ trennte. Deutschland drohe unter Angela Merkels Regierung eine „Ent-Parlamentisierung“, so Fest, der Parallelen zum Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten 1933 beschreibt. Die Deutschen müssten deshalb „aufwachen“ und „die Politik selbst in die Hand nehmen“. „Oder es wird kein Aufwachen geben“, droht Fest.

„Wer die Alternative für Deutschland verstehen will, muss die ,Junge Freiheit‘ lesen“, sagte AfD-Vizechef Alexander Gauland einmal. Aber als Zentralorgan der rechtspopulistischen Partei sieht Stein seine Zeitung „auf keinen Fall“, auch wenn es „sicherlich Überschneidungen bei bestimmten Themen gibt“.

Zwei Redaktionsmitglieder gehören der AfD an

Nur zwei der Redaktionsmitglieder seien AfD-Mitglied, Stein selbst war früher bei der Jungen Union, dann den Republikanern, heute sei er parteilos. „Ich bin heilfroh, wenn meine Redakteure nicht Mitglied einer Partei sind“, sagt Stein. „weil ich möchte, dass wir unabhängig über Themen berichten können.“

Wer vor einiger Zeit ein Kurzzeitabo der „Jungen Freiheit“ abschloss, bekam automatisch die AfD mitgeliefert, in Form des Buchs „Aufstieg und Etablierung der Alternative für Deutschland“, geschrieben von JF-Redakteur Felix Krautkrämer. Wer heute ein Gratis-Probe-Abo bestellt, kann die Broschüre „Gender Mainstreaming“ mitbestellen. „Kinderseelen werden gebrochen, empörte Bürger wehren sich“, heißt es in der Unterzeile. 25, 50, 100 oder so viele Exemplare, wie man will. Zum „Weitergeben im Freundes- und Bekanntenkreis“.

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