Meinung : ... stand eine Laterne und steht sie noch davor

„Laterne, Laterne“ vom 1. Juni

Berlin hat im Tiergarten das Gaslaternen-Freilicht-Museum, deshalb ist es erstaunlich, dass sich die Denkmalpflege offensichtlich nicht der Gaslaternen annimmt, obwohl sie zum Teil von Schinkel gestaltet wurden. Über die Unzuverlässigkeit der Gaslaternen ärgern auch wir uns immer wieder und mussten im Laufe der Jahre viele Briefe an den Entstördienst schreiben, dennoch würden wir den Ersatz durch „moderne“ Leuchten als Verlust empfinden. Selbst die Zeitschrift „Monumente“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz nimmt sich in ihrer neusten Ausgabe des Kulturguts „Gaslaterne“ an. Ein Kompromiss könnte sein, die Glühstrümpfe durch Leuchtdioden mit gleicher Farbtemperatur zu ersetzen. Die angestrebte Kostensenkung durch Energieeinsparung und Langlebigkeit wäre gewährleistet. Die historischen Masten blieben erhalten, da die Stromkabel in die Gasrohre eingezogen würden.

Dr. Lothar Wilhelmy, Berlin-Dahlem

Jens Jessen hat uns allen ein Paradebeispiel des heutigen Zeitgeistes gegeben, indem er über die nicht nur politischen Technokraten schreibt: „mit Ästhetik, Tradition oder gar sentimentalen Werten kann man ihnen nicht kommen“, wobei das „sanfte Gaslicht ... der letzte Ausweis der untergegangenen Metropolenkultur Europas“ ist. Der Berliner Senat hat beschlossen, die zu teuren Gaslaternen durch die wartungsbilligeren, ökobilanzbesseren und energieausbeutungsgünstigeren elektrischen Lampen zu ersetzen. Dabei vergisst er aber, dass wir Menschen „nicht billig, nicht wartungsarm und auch nicht schadstofffrei“ sind. Nicht nur die Entscheidungen der Politiker, des Berliner Senates oder der Deutschen Bundesrepublik sollten in ihren Entscheidungen auf eine sinnvolle Abwägung zwischen der berechtigten Lebensqualität der Individuen und den gegenwärtig bzw. zukünftig vorhandenen Ressourcen gerichtet sein. Auch unser ganzes Leben müsste so gestaltet werden.

Horst G. Degner, Berlin-Grunewald

„Alles Licht ist Auer-Licht“! Die Firma Auer am Friedrich-Krause-Ufer (damals) war lange Zeit mein Arbeitgeber. Die Gasglühstrumpf-Produktion hat mich jeden Tag begeistert! Ich habe mich aufrichtig über den sehr stimmungsvollen Artikel in Ihrer Zeitung gefreut. Wie schön, dass es noch einen Menschen gibt, der den Gasglühstrumpf kennt und zu würdigen weiß, gegen Masten habe ich nie getreten, bin ja auch kein Lauselümmel.

Gaslichtliebhaberin

Rotraut Gudrun Neubert,

Berlin-Charlottenburg

Die Berichterstattung zum geplanten Ersatz von Gaslaternen in Berlin lässt den Eindruck entstehen, dass dies einhellig auf Ablehnung stößt. Dies ist jedoch nicht der Fall. Als Anwohner einer kleinen Straße warte ich dringend auf eine Verbesserung der Straßenbeleuchtung. Die nostalgische Schummerbeleuchtung lässt die überall vorhandenen Unebenheiten im Bürgersteig nicht erkennen und zieht Hundebesitzer, die keine Lust haben, den Kot ihrer vierbeinigen Freunde zu beseitigen, geradezu magisch an. Nicht alles ist schützenswert, nur weil es alt ist.

Detlev Amthor, Berlin-Lichterfelde

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