27. Januar 1944 und 1945 : Erweitertes Gedenken

Zur deutschen Schuld gehören auch die Verbrechen, die in der Zeit des Nationalsozialismus an Russen begangen wurden. Daran zu erinnern, ist richtig und wichtig. Die Frage ist nur, wann? Am 27. Januar?

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Auschwitz-Birkenau
Auschwitz-BirkenauFoto: dpa

Im Zweiten Weltkrieg starben weit mehr als 20 Millionen Russen. Soldaten der Roten Armee befreiten das Konzentrationslager Auschwitz. Diese Daten zu leugnen, zu relativieren oder mit späterem Besatzungsleid aufzurechnen, verbietet sich. Zur deutschen Schuld gehören auch die Verbrechen, die in der Zeit des Nationalsozialismus an Russen begangen wurden. Daran zu erinnern, ist richtig und wichtig. Die Frage ist nur, wann? Der 27. Januar ist der Holocaust-Gedenktag. Er ist weltweit all jenen gewidmet, die in den Vernichtungslagern der Nazis ermordet wurden. In Russland indes wird am 27. Januar auch an die Befreiung Leningrads von der Einkesselung durch die Wehrmacht erinnert. Da lag es offenbar nahe, dass Bundestag und Bundespräsident in diesem Jahr den Gedenkauftrag erweiterten und fast ausschließlich an das Leid der Russen erinnerten. Doch erweitertes Gedenken birgt in sich die Gefahr des verwässerten Gedenkens. Zugespitzt gefragt: Sind alle Kriegsgegner des Nazi-Regimes irgendwie auch Holocaust-Opfer? Oder geht, aus deutscher Sicht, in dieser Allgemeinheit nicht das Spezifische des 27. Januar verloren? Im Tod sind alle gleich, heißt es. Beliebig sind Zeitpunkt und Maßstab des Gedenkens dennoch nicht.

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