ADAC : Totalschaden für Gelbe Engel

Der ADAC hat bei der Wahl des "Lieblingsautos" die Zahlen kurzerhand verzehnfacht. Das sieht zunächst aus wie das pubertäre Machogehabe eines übermotorisierten Dränglers, kann sich aber zum Totalschaden für den Club entwickeln. Und sagt zudem etwas aus über das Statussymbol Auto.

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Und es hat Rumms gemacht. Das Vertrauen in den ADAC hat schwer gelitten.
Und es hat Rumms gemacht. Das Vertrauen in den ADAC hat schwer gelitten.Foto: dpa

Glaubwürdigkeit ist ein hohes, nahezu unbezahlbares Gut. Millionen deutsche Autofahrer haben dem ADAC vertraut, wenn es um schnelle Hilfe auf dem Standstreifen weit weg von der nächsten Werkstatt ging. Wenn es galt, einen sauberen, attraktiven Campingplatz zu buchen, eine gut geführte Autobahnraststätte anzufahren, sichere Parkhäuser zu finden oder gefährliche Tunnel im europäischen Straßennetz zu meiden. Und zum Standardrepertoire gehört auch, ständig den Ausbau des Straßennetzes in Deutschland zu fordern. Aus und vorbei! Durch das Gebaren des Kommunikationschefs und Chefredakteurs der ADAC-Zeitschrift "Motorwelt", der beim Auto-Preis "Gelber Engel" die absoluten Zahlen der teilnehmenden Mitglieder manipuliert hat, ist ein enormer Schaden an Image und Glaubwürdigkeit entstanden.

Das ist keine Petitesse. Auch deshalb nicht, weil der ADAC nie nur die Heimstatt PS-verliebter Deutscher war. Nein, der ADAC hat mit seinen 19 Millionen Mitgliedern ordentlich in der Politik mitgemischt. Lobbyarbeit vom Feinsten: gegen Tempolimit auf Autobahnen, gegen die Pkw-Maut, gegen die Einführung des Ökosprits E10. Die Grünen haben das schmerzlich am eigenen Leib erfahren, als sie 1998 im Bundestagswahlkampf einen Spritpreis von fünf Mark forderten. Gegen deutsche Autofahrer, gegen den ADAC ist schlecht Wahlkämpfen. Allein die schiere Größe des Vereins macht Eindruck auf die Politik.

Der inzwischen geschasste ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter hat einen auf dicke Hose gemacht. Nur 3409 von rund 19 Millionen Mitgliedern wählten einen Volkswagen zum deutschen Lieblingsauto. Vielleicht ist das auch ein Hinweis darauf, dass den Deutschen ziemlich egal ist, welcher Autohersteller diesen Preis bekommt. Und noch besser wäre es, wenn es ein Hinweis darauf wäre, dass dem Auto in dieser Gesellschaft nicht mehr der Status zugemessen wird, wie das vielleicht in der Vergangenheit der Fall war. Denn Autos gibt es in diesem Land viel zu viele. Die ADAC-Stauprognosen sind dafür immer ein sicherer Beleg gewesen. Aber vielleicht waren die auch manipuliert.

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