Ägypten : Ex-Terrorist wird Gouverneur von Touristenhochburg

1997 starben 58 Besucher des Hatschepsut-Tempels in Ägypten bei einem terroristischen Anschlag. Nun wird einer der Mitgründer der Terrorgruppe Gouverneur der Touristenhochburg Luxor.

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Das Bild zeigt den Mitgründer der Terrorgruppe Gamaa Islamiya Adel al Khayat, den neuen Gouverneur von Luxor.
Luxor neuer Gouverneur, Adel al Khayat, gründete einst die Terrorgruppe Gamaa Islamiya mit.Foto: Daily News Egypt

"Wir wollen keinen Terroristen“, stand auf den Plakaten der Demonstranten, die am Dienstag den Zugang zum Gouverneurspalast in Luxor blockierten. Andere waren unter Protestrufen zum Flughafen gezogen, wo der in Kairo frisch vereidigte Politiker am Dienstag landete. Seit die Kunde herum ist, dass Luxors neuer Gouverneur Adel al Khayat Gründungsmitglied der ehemaligen Terrorgruppe Gamaa Islamiya ist, schlagen in der Stadt der weltberühmten pharaonischen Tempel und Königsgräber die Wellen hoch. Vielen hier steckt bis heute das schlimmste Massaker in der modernen Geschichte Ägyptens in den Knochen, als 1997 Gotteskämpfer von Gamaa Islamiya eine Touristengruppe beim Hatschepsut-Tempel unter Feuer nahmen. 58 Besucher und vier Ägypter starben in dem Blutbad. Erst im Jahr 2000 schwor die Terrorgruppe offiziell der Gewalt ab. Nach der Revolution saßen 13 ihrer Mitglieder als Abgeordnete der salafistischen „Aufbau- und Entwicklungspartei“ in dem inzwischen aufgelösten Post-Mubarak-Parlament. Der Vizepräsident der Kammer der Tourismusunternehmer von Luxor, Mohammed Othman, nannte es skandalös, dass ausgerechnet ein radikaler Islamist für eine Stadt wie Luxor, die vorwiegend von Einnahmen aus dem Tourismus lebt, ausgewählt worden sei.

Islamisten kontrollieren in Ägypten nun 13 von 27 Provinzregierungen

Mit dem erzkonservativen, 52 Jahre alten al Khayat kontrollieren die Islamisten nun 13 der 27 Provinzregierungen. Doch der Widerstand gegen deren Machtstreben wächst. Seit einem Monat tobt in Kairo ein beispielloser Kulturkampf zwischen der Künstlerelite des Landes und dem neuen islamistischen Kulturminister. Schriftsteller und Bildhauer halten das Büro des Ministers besetzt, jeden Abend gibt es improvisierten Tanz und Musik vor den Toren des Ministeriums. Der gesamte Kulturbetrieb ist auf den Barrikaden – und auch sonst machen sich in der Bevölkerung Unruhe und Existenzangst immer breiter. Vor den Tankstellen bilden sich seit Monaten lange Schlangen, Stromausfälle gehören zu den Alltagsplagen. Die Währung verfällt, die Preise für Lebensmittel klettern. An eine Polizeireform ist nicht mehr zu denken. Das Wahlgesetz ist hoffnungslos blockiert, so dass die Parlamentswahlen wohl ins nächste Jahr verschoben werden müssen, wenn sie überhaupt noch stattfinden.

Und so schlittert Ägypten immer weiter hinein in eine innere Zerreißprobe, wie es sie in seiner modernen Geschichte noch nicht gegeben hat.

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