Aktionstag "Saubere Sache" : Alle für eine Stadt: Warum Engagement wichtig ist

16.09.2012 09:21 Uhrvon
Diese Truppe reinigte beim Aktionstag "Saubere Sache" die Gartenstadt in Neu-Tempelhof. Foto: Marius Gerads
Diese Truppe reinigte beim Aktionstag "Saubere Sache" die Gartenstadt in Neu-Tempelhof. - Foto: Marius Gerads

Beim Thema "Aufräumen" drängen sich vielen Berlinern ungute Assoziationen auf: der Arbeitseinsatz beim DDR-Subotnik. Oder die schwäbische Kehrwoche. Doch wer Plätze pflegt, der pflegt auch das Zusammenleben der Stadtgesellschaft.

Es kommt auf die Berliner an. Auf all jene, die vielerorts halfen, die Stadt schöner und gepflegter zu machen. Sie haben Bäume gepflanzt, Bänke gestrichen, Beete angelegt oder Schulhöfe saniert. Ein Tag für meine Stadt – was Bürgersinn bewirken kann, war gestern zu sehen.

Gutes Beispiel kann ansteckend sein, soll ermutigen und ermuntern, selbst anzupacken. Der Aktionstag hat gezeigt, dass es Menschen gibt, viele, die in ihren Kiezen dafür sorgen, dass die Stadt lebenswerter wird und liebenswert bleibt. Sie meckern nicht bloß über ungepflegte Ecken, sie greifen ein, wenn Nazi-Parolen an Wänden das friedliche Zusammenleben vergiften, sie übernehmen Patenschaften für Orte, die ihnen Heimat sind, sie räumen auf, wo sich Müll sammelt.

Bildergalerie: Die Aktion "Saubere Sache" in Bildern

Geht’s noch spießiger? Da gibt es ungute Erinnerungen an den sozialen Druck der schwäbischen Kehrwoche oder den verordnet-freiwilligen Arbeitseinsatz beim DDR-Subotnik. Es ist Berlin eigen, dass Ordnung und Sauberkeit für viele kontaminierte deutsche Sekundärtugenden sind. Aber eine weltoffene Stadt definiert sich nicht dadurch, dass jeder seinen Müll irgendwo hinwerfen kann, sondern durch ein verantwortungsbewusstes Bürgertum. Da hat Berlin noch Nachholbedarf.

Auch der Tagesspiegel packte in einer eigenen Aktion mit an:

Sowohl, was die Überbleibsel einer West-Berliner Vollversorgungsmentalität angeht, die alles fordert und nichts gibt, als auch einer selbst zwei Jahrzehnte nach Mauerfall nur zögernd wachsenden Engagementskultur im Ostteil der Stadt. Dazu kommt die Sorge, ein bürgerschaftlicher Einsatz führe dazu, dass ein schmucker Kiez die Gentrifizierung und Verdrängung befeuert. Die gepflegte Stadt wird zum ideologischen Kampfbegriff.

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