Demokraten und Republikaner : Das gute Amerika steht rechts

Die Deutschen mögen es, wenn in den USA die Demokraten regieren. Deshalb hoffen die meisten auch auf eine Wiederwahl Obamas. Dabei sind sie mit republikanischen Präsidenten meistens besser gefahren, meint unser Gastautor.

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Besser für Deutschland? US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney mit Ehefrau Ann.
Besser für Deutschland? US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney mit Ehefrau Ann.Foto: AFP

Bald fiebert Europa wieder im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf mit. Immer noch heißt der Hoffnungsträger für die Mehrheit der Europäer Barack Obama – trotz mancher Enttäuschungen und Ernüchterungen. Zwar wird Obama im Gegensatz zum Wahljahr 2008 nicht mehr als „schwarzer Kennedy“ und neuer Martin Luther King verehrt. Aber er kann sich der Sympathien der Menschen in Europa weiterhin sicher sein.

Hier hat es bereits Tradition, Amerikas Präsidenten nicht so sehr nach ihren politischen Bilanzen, sondern eher nach ihrem Auftreten und Erscheinungsbild zu beurteilen. Das Wie der amerikanischen Politik scheint die Stimmungslage der Europäer stärker zu beeinflussen als das Was. Die Verpackung scheint wichtiger als der Inhalt. Anders ist es kaum zu erklären, dass die Europäer in der Regel die Präsidentschaftskandidaten und Präsidenten der Demokraten in ihr Herz geschlossen haben, obwohl sie seit dem Zweiten Weltkrieg vor allem mit US-Präsidenten aus der Republikanischen Partei gute Erfahrungen gemacht haben.

Die historische Analyse der Frage, welchem amerikanischen Präsidenten die Europäer seit 1945 was zu verdanken haben, gelangt zu einem Urteil, das für viele überraschend klingen dürfte: Republikaner – mit Ausnahme von George W. Bush junior – waren für Europa meist die besseren Präsidenten. Vor allem die Deutschen vergessen immer wieder, dass große Vorsicht geboten erscheint mit hohen Erwartungen an das demokratische Lager in den USA, während sie von den Republikanern in der Regel nicht enttäuscht wurden. So verwandelte sich zwar unter Dwight D. Eisenhower in Korea der Kalte Krieg in einen heißen.

Aber seine offensive Politik des „Roll Back“ stoppte nicht nur den kommunistischen Vormarsch im wahrsten Sinne des Wortes, sondern ließ auch die wiederbewaffnete Bundesrepublik Mitglied der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft werden – ein entscheidender Schritt auf Deutschlands langem Weg nach Westen. In Indochina hingegen ließ sich Eisenhower nicht in Frankreichs aussichtslosen Guerillakrieg hineinziehen. Eine politische Weitsicht, die John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson bei ihrer Entscheidung für die Intervention in Vietnam mit schließlich mehr als einer halben Million Soldaten vermissen lassen sollten.

Stattdessen schloss Eisenhower Verteidigungsabkommen mit Korea und Taiwan – Verträge, die nicht nur bis heute Gültigkeit haben, sondern im Fall Taiwans den Frieden zugleich nachhaltig gesichert haben. Auch gegenüber Kuba setzte Eisenhower auf Diplomatie und warnte 1961 in seiner Abschiedsrede als Präsident eindringlich vor den Gefahren, die ein einflussreicher militärisch-industrieller Komplex für die Vereinigten Staaten in Zukunft mit sich bringen würde.

Richard M. Nixon beendete den in Deutschland geradezu verhassten Vietnamkrieg und setzte auf eine aktive Entspannungs- und Abrüstungspolitik gegenüber den kommunistischen Mächten. Als erster US-Präsident reiste er nicht nur nach Moskau, sondern auch nach Peking. Die Nixon-Doktrin beinhaltete das, was sich die meisten Europäer stets von einem amerikanischen Präsidenten wünschen, wenn sie sich nicht gerade selbst bedroht fühlen und Washington um Hilfe bitten: die Abgabe globaler Hegemonialfunktionen an Verbündete auf regionaler Ebene. Nixon sah die Rolle der USA als die einer Ordnungsmacht im Hintergrund. Entsprechend gab er – nach anfänglicher Skepsis – auch Kanzler Willy Brandt große Handlungsfreiheit bei der Ostpolitik der Bundesrepublik.

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