Gastbeitrag : Eine Welt ohne Atomwaffen?

Vor genau vier Jahren erklärte US-Präsident Barack Obama vor der Prager Burg, dass die Abschaffung aller Atomwaffen sein langfristiges Ziel sei. "Global Zero" lautet das Motto, und Aktivisten wollen heute von Obama wissen, was aus dem Ziel wird.

Lara Wolf
US-Präsident Barack Obama kündigte vor genau vier Jahren an, eine weltweite Abschaffung aller Atomwaffen sei sein langfristiges Ziel.
US-Präsident Barack Obama kündigte vor genau vier Jahren an, eine weltweite Abschaffung aller Atomwaffen sei sein langfristiges...Foto: AFP

Wenigstens die Zeichen sind eindeutig: US-Präsident Barack Obama kündigte in seiner Rede zur Lage der Nation vor wenigen Wochen eine drastische Reduktion der amerikanischen Atomwaffen an, die Bestätigung von Chuck Hagel, einem erklärten Atomwaffengegner, als neuem Verteidigungsminister und die Ankündigung neuer bilateraler Gespräche mit Russland zur nuklearen Abrüstung – die Zeichen stehen auf Global Zero, einer atomwaffenfreien Welt.

Bereits 2008 betonte Obama in seiner Rede in Berlin das Ziel einer Welt ohne Atomwaffen und erklärte am 5. April 2009 vor der Prager Burg die weltweite Abschaffung aller Atomwaffen als sein langfristiges Ziel. Seitdem hielt der US-Präsident Wort und unterzeichnete im Jahr 2010 zusammen mit dem russischen Staatspräsidenten Medwedew in Prag ein neues START-Abkommen, das die Zahl der Atomsprengköpfe beider Staaten auf jeweils 1550 reduzieren soll.

Um Obama nun dazu zu bringen, mit Global Zero endgültig ernst zu machen, wurde der 5. April 2013 – der 4. Jahrestag seiner Prager Rede – kurzerhand zum weltweiten „Demand Zero Day“ gekürt. Die weltweite Bewegung „Global Zero“ plant die größte Kampagne ihrer Geschichte: Obama soll sich am Jahrestag noch einmal öffentlich zur Abrüstung bekennen. Und die Chancen dafür stehen so gut wie nie zuvor.

Mit Charles Timothy „Chuck“ Hagel als Verteidigungsminister wird Obama einen engen Verbündeten haben. Hagel ist aktiver Unterstützer und Unterzeichner der „Global Zero“-Petition und seit Langem engagiert für die nukleare Abrüstung sowie echte Kürzungen im gigantischen US-Rüstungshaushalt. Auch in Europa erfährt die Idee von Global Zero immer mehr Unterstützung. Am 17. Januar 2013 stimmte die Mehrheit des Europäischen Parlaments einer schriftlichen Erklärung zu, mit der es offiziell den Global-Zero-Aktionsplan unterstützt. Dieser sieht bis 2030 eine schrittweise Eliminierung aller Atomwaffen vor. Besonders in Zeiten der Wirtschaftskrise können sich immer weniger Staaten Atomwaffen leisten. Allein in den nächsten zehn Jahren werden sie die Atommächte der Welt eine Billion Dollar kosten. Zudem gibt es immer präzisere Waffen, die dazu weniger Schaden anrichten und so Atomwaffen überflüssig machen können.

Zwar sind in letzter Zeit die russisch-amerikanischen Abrüstungsgespräche wegen eines Disputs über das in Europa geplante Raketenabwehrsystem ins Stocken geraten. Doch seit Hagel den europäischen Plänen Mitte März eine Absage erteilte, rückt ein neues russisch-amerikanisches Abkommen zur Begrenzung strategischer Atomwaffen wieder näher.

Um den Start-Vertrag zu erfüllen, wonach die Zahl der strategischen Nuklearwaffen bis 2018 auf 1.550 reduziert werden soll, wurden allerdings bisher nur die so genannten Phantom-Platforms beseitigt - Flugzeuge, die nukleares Equipment transportieren können, jedoch dafür eigentlich nicht mehr vorgesehen sind.

Auch in Deutschland geht zurzeit die Abrüstung nur langsam voran: So bemängeln im deutschen Jahresabrüstungsbericht 2012 SPD und Grüne, dass es nicht gelungen sei, Atomwaffen von deutschem Boden zu entfernen.

In seinem Vorhaben, dies zu ändern, wird Global Zero auch von Hollywood-Stars wie Naomi Watts und Michael Douglas unterstützt, der kürzlich ein Video für Global Zero drehte.

Global Zero, 2008 von den Yale-Absolventen Bruce Blair und Matt Brown gegründet, ist innerhalb der letzten Jahre zu einer globalen Bewegung herangewachsen. Hunderttausende Bürger haben bereits die erste Petition von Global Zero unterzeichnet. Sie werden unterstützt von mehr als 300 gesellschaftlichen und politischen Führungspersönlichkeiten - von Jimmy Carter über Hans-Dietrich Genscher bis zu Valerie Plame-Wilson.

Pünktlich zum Internationalen Aktionstag am 5. April fordert nun eine neue Petition Obama direkt auf, den letzten Schritt in Richtung Zero zu gehen. Weltweit wird es bis dahin Fotokampagnen und von Studenten gedrehte Filme geben, die zentrale Passagen aus Obamas Prager Rede kreativ darstellen. Dann bleibt nur noch abzuwarten, wie Obama am 5. April reagiert.

Lara Wolf ist deutsches Mitglied der Bewegung "Global Zero".



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