Kolumne "Ich habe verstanden" : Fernsehvielfalt zum Wegschauen

Karneval und Fernsehen bieten dieser Tage großes Entertainment. Die meisten Kollegen fordern sich aber lieber zu einer Runde Quizduell heraus. Andere schreiben noch eine Antwort an Matussek. Zu viel, um alles auf dem Schirm zu haben, findet unser Kolumnist Matthias Kalle.

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"Der Rücktritt" oder doch lieber "House of Cards"? Foto: dpa
"Der Rücktritt" oder doch lieber "House of Cards"?Foto: dpa

Am Donnerstag, dem Donnerstag, der bei manchen unter dem Namen „Weiberfastnacht“ läuft, hörte ich morgens ein Interview im Deutschlandfunk. Da erklärte ein Wirtschaftsprofessor, welchen Einfluss der Karneval auf die Wirtschaft habe. Ich stand unter der Dusche, deshalb bekam ich nicht alles mit, aber ich glaube, der Mann behauptete, der Einfluss des Karnevals auf die Wirtschaft sei positiv, denn die Menschen würden für allerlei Dinge Geld ausgeben: Kostüme, Getränke, Süßigkeiten, solche Sachen. Der Moderator fragte dann den Professor auch noch, ob neun Monate nach dem Karneval die Geburten ansteigen würden. Der Professor sagte, neun Monate später nicht – aber zehn. Er sagte, Männer und Frauen müssten sich erst vom Karneval erholen. Dann aber ginge es zur Sache. So sagte er das zwar nicht, aber das war die Aussage.

Ohnesorg-Theater im Amtszimmer des Bundespräsidenten

Wenn ich dieses Interview nicht gehört hätte, dann hätte ich überhaupt nicht mitbekommen, dass Karneval ist. Ich habe im Moment so viel um die Ohren. Ich schaue endlich die US-TV Serie „House of Cards“ (wenn man die gesehen hat und dann am Dienstag „Der Rücktritt“ auf Sat. 1, dann lässt einen der Vergleich erschütternd zurück – ich hatte vielmehr den Eindruck, dass das angelehnt ist an das Prinzip des Ohnesorg-Theaters: Eigentlich war man während des gesamten Films nur im Amtszimmer des Bundespräsident, dann gingen Türen auf und Menschen kamen rein und sagten irgendwas, während andere Menschen weggingen und nichts mehr sagten.

Kolumnist Matthias Kalle. Foto: privat
Kolumnist Matthias Kalle.Foto: privat

Es war nur nicht so witzig wie im Ohnesorg-Theater), ich werde dauernd von namhaften Kollegen zu einer Runde Quizduell aufgefordert (ich nenne aus Datenschutzgründen keine Namen, aber Sie würden sich wundern) und ich muss aufpassen, dass ich nicht schon wieder aus Versehen eine Antwort auf eine Antwort einer Antwort auf eine Antwort in dieser Matussek-Sache lese (Sie wissen schon: Matussek schrieb einen Text, in dem er seine Homophobie glorifizierte, daraufhin schrieben andere Texte darüber, dass das ja nicht ginge, woraufhin Matussek einen Text schrieb, dass das sehr wohl ginge).

Fernseh-Qual der Wahl

Nun ist mein Eindruck folgender: Die meisten Kollegen, die ich kenne, spielen entweder Quizduell oder schreiben eine Antwort zu dieser Matussek-Sache. Wahrscheinlich haben die alle „House of Cards“ schon gesehen und nur ich hinke dem Zeitgeist wieder meilenweit hinterher, weil ich ja auch immer noch das „normale“ deutsche Fernsehprogramm gucke. „Wetten, dass...?“ und so. Oder „Der Rücktritt“. Oder – wie vergangene Woche – ganz viel Fußball. Gewundert habe ich mich nur über diese seltsamen Sendungen auf ARD und ZDF, in denen betrunkene, Dialekt sprechende Menschen versucht haben auf einer Bühne zu stehen und Witze zu erzählen. Das habe ich nämlich tatsächlich nicht verstanden.

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