Andrea Nahles und das Rentenpaket : Die Rente mit 63 bleibt ungerecht

Andrea Nahles präsentierte das Rentenpaket - und zeigt, wie gönnerhaft die deutsche Sozialpolitik sich gerne gibt. Das muss ein Ende haben. Für die Anerkennung von Lebensleistung ist nicht die Politik zuständig.

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Andrea Nahles
Andrea Nahles (SPD) in der BundespressekonferenzFoto: dpa

Über das Rentenpaket ist viel geschrieben worden, über die neuen Ungerechtigkeiten, die es mit sich bringt. Darüber, dass die jüngere Generation nun für eine abschlagsfreie Rente aufkommen muss, die sie selbst nie wird in Anspruch nehmen können. Nicht von der Höhe her, und auch nicht, was das Renteneintrittsalter betrifft. Doch es hat alles nichts genutzt. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ließ auch zuletzt wieder alle Kritik mit dem Satz abprallen, das Rentenpaket sei „Anerkennung für Menschen, die viel geleistet“ hätten. Als ob diese Leistung irgendjemand aus der jüngeren Generation ernsthaft infrage stellen würde.

Zumindest die Flexi-Rente könnte Gutes bewirken

Möglicherweise markiert die Rentendebatte der vergangenen Monate dennoch einen Wendepunkt. Selten nämlich kam die gönnerhafte Attitüde der deutschen Sozialpolitik so ungefiltert zum Vorschein wie bei der Diskussion um das Rentenpaket. Natürlich wurde immer wieder die Leistung der künftigen Rentner hervorgehoben. Mehr noch aber sollte klargemacht werden, wem die Rentner die neue Leistung auf ihrem Konto zu verdanken haben: den politischen Leistungsträgern nämlich, die so tun, als hätten sie die Bevorzugung der vor 1964 Geborenen persönlich den Unternehmen abgetrotzt. Wo es doch um ganz normale Sozialbeiträge geht.

Zumindest die jetzt ins Paket aufgenommene Flexi-Rente könnte so gesehen Gutes bewirken – weil sie die Rentenversicherung ein Stück weit der politischen Willkür entzieht. Jeder Rentner kann künftig selbst entscheiden, wie viel ihm ein früherer Ruhestand wert ist. Oder unter welchen Bedingungen er über das normale Rentenalter hinaus arbeiten will. Es ist richtig, die Verantwortung dafür den Beitragszahlern selbst zu überlassen.

Eines jedoch sollten die künftigen Rentner wissen: Um Anerkennung alleine geht es nicht. Die kann der Staat sowieso nicht aussprechen, für die ist zuallererst jeder selbst zuständig. Das gesetzliche Rentenalter hat nicht nur die Funktion, Ansprüche zu begründen. Es geht auch darum, Platz zu schaffen für jüngere Menschen, deren Einstieg ins Berufsleben heutzutage oft viel schwieriger verläuft, als dies noch in den 60er oder 70er Jahren der Fall war. Auch dafür ist die Rente gut.

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