Anja Reschke : Journalistin, nicht Diplomatin

Die NDR-Journalistin Anja Reschke fordert einen „Aufstand der Anständigen“ gegen die Flüchtlingshetze. Ein Porträt.

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Anja Reschke, Leiterin der Abteilung Innenpolitik im Programmbereich Zeitgeschehen/Fernsehen des NDR.
Anja Reschke, Leiterin der Abteilung Innenpolitik im Programmbereich Zeitgeschehen/Fernsehen des NDR.Foto: dpa

Diese Journalistin sieht sich nicht im diplomatischen Fernsehdienst. Einen „Tagesthemen“-Kommentar so lange mit „Sowohl als auch“ rundlutschen, bis er gar keinem mehr wehtut. Die Mitarbeiterin des Norddeutschen Rundfunks, wo sie die Abteilung Innenpolitik im Programmbereich Zeitgeschehen/Fernsehen des Senders leitet, gehört zur Sektion „Klarsprech“. Am Mittwochabend hat Reschke in einem Kommentar für die ARD-„Tagesthemen“ einen „Aufstand der Anständigen“ gegen rassistische Hetze im Netz gefordert. Sie wusste genau, wen sie ansprechen wollte: „Ich freue mich schon jetzt auf die Kommentare zu diesem Kommentar.“ Die Reaktion war überwältigend: fast fünf Millionen Abrufe bei Facebook, ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke berichtete, zwei Drittel der Kommentare seien zustimmend, nur ein Drittel ablehnend.

Anja Reschke hat das gefreut. Sie ist nicht auf Beifall aus, wenn sie kommentiert, wenn sie das zeitkritische Magazin „Panorama“ im Ersten und das medienkritische Magazin „Zapp“ im NDR-Fernsehen moderiert; beide Sendungen verantwortet sie auch. Ihre Haltung speist sich aus dem Buchtitel „Die Unbequemen“, das sie mit anderen zum 50-jährigen Sendejubiläum von „Panorama“ 2011 veröffentlicht hat. Reschke sieht sich unverkennbar in dieser Tradition, deren Selbstverständnis der verstorbenen „Monitor“-Chef Klaus Bednarz formuliert hatte: „Den Mächtigen unbequem sein.“

Bei Hartern kommt es auf Haltung an

Ganz klar, es geht um Haltung, besonders, wenn es um die „Hater“ im Netz geht: „Dagegenhalten, Mund aufmachen, öffentlich an den Pranger stellen.“ Wenn „Panorama“ gegen Missstände, Ungerechtigkeiten und andere Fehlentwicklungen zu Felde zieht, ist die Perspektive eindeutig, eine Sichtweise kommt mit Aplomb über den Schirm, stante pede wird nicht jede andere verdammt. Die Fakten der Recherche müssen stimmen. Nur Meinung reicht nicht.

Reschke wird wahrscheinlich von fast allen Zuschauern als Norddeutsche eingeschätzt. Ist sie nicht, die Journalistin wurde am 7. Oktober 1972 in München geboren. Dort hat sie Politikwissenschaft, Geschichte und Sozialpsychologie studiert, für Antenne Bayern arbeitete sie als Reporterin, 1998 volontierte sie beim NDR, später war sie Autorin für „Panorama“, „Extra 3“ und „NDR aktuell“. Joachim Huber

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