Beppe Grillo: : „Die Welt erlebt gerade den dritten Weltkrieg“

Er war ein Fernsehstar. Jetzt mischt Beppe Grillo Italien politisch auf - ohne Fernsehauftritte. Ein Porträt

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Silvio Berlusconi ist nicht der einzige italienische Politiker, dessen Aufstieg aufs Engste mit dem Fernsehen verbunden ist: In ganz anderer Weise ist es auch der seines wütendsten Widersachers: Beppe Grillo. Der heute 64-jährige Genueser Schauspieler hatte in den 80er Jahren einigen Erfolg in TV-Shows. Doch seine bösen Witze über die Korruption der herrschenden Sozialisten, dazu zur besten Sendezeit, passten denen gar nicht. Langsam wurde er vom Schirm verbannt. Doch während sich „Berluskaiser“ nach einem guten Jahr Abstinenz gerade wieder in den italienischen Wohnzimmern breitmacht, hat Grillo aus dem erzwungenen Verzicht ein Markenzeichen gemacht: Er tritt strikt nur im Internet und live auf Plätzen und in Theatern auf. Und dies mit einem Erfolg, der den „Palazzo“, Italiens etablierte Politik, ebenso erschüttert wie die aktuelle Aufholjagd des Cavaliere. Grillos Protestbewegung „Fünf Sterne“ liegt in Umfragen derzeit bei 16 bis 18 Prozent und lässt damit auch das Mitte-Bündnis des amtierenden Premiers Monti hinter sich.

Die Methode ist spannend und neu, Grillos Anliegen werden verständlicherweise von vielen in Italien geteilt: Schluss mit Verschwendung und Korruption, verurteilte Straftäter raus aus dem Parlament, dazu kommen Initiativen für öffentliche Wasserversorgung und den Umweltschutz. Doch als Typus ist Grillo ein sehr italienischer Volkstribun. Wie auf der Rechten Berlusconi und bis vor kurzem Umberto Bossis Lega Nord, und wie auf der Linken – weniger intensiv – das Bündnis des apulischen Regierungschefs Vendola ist auch Grillos „Bewegung“ auf einen charismatischen Chef ausgerichtet. Seine Anhänger liefern ihm bei seinen Auftritten Huldigungsmessen, wer aufmuckt, etwa gegen das Verbot von Fernsehauftritten, der fliegt.

Das scheint seinem Erfolg ebenso zu bekommen wie seine drastischen bis vulgären Auftritte – Grillo erfand gegen die politische Kaste unter anderem den „V-Day“, abgeleitet von einem Fluch, der mit „Leck mich“ unzureichend übersetzt wäre. Im vergangenen Mai räumte er bei den Kommunalwahlen schon im ersten Wahlgang ab, zwei Städte, darunter Parma, werden inzwischen von „Grillini“ regiert. Seines weiteren Aufstiegs fühlt sich der bloggende Antipolitiker sicher: „Die Welt erlebt gerade den dritten Weltkrieg, den um Information. Und wir haben das Netz, um direkt an Informationen zu kommen. Politik, Fernsehen, Zeitungen kommen immer zu spät.“

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