BER kein Einzelfall : Der Staat als Bauherr: Immer teurer, immer später

Wenn der Staat als Bauherr auftritt, wird es fast immer teurer als geplant, nicht zuletzt beim neuen Berliner Großflughafen. Dahinter steckt System, meint Lorenz Maroldt. Man könnte auch sagen: Betrug.

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Der neue Berliner Großflughafen öffnet später und wird am Ende mindestens doppelt soviel gekostet haben wie ursprünglich geplant. Doch er ist bei weitem kein Einzelfall.
Der neue Berliner Großflughafen öffnet später und wird am Ende mindestens doppelt soviel gekostet haben wie ursprünglich geplant....Foto: dapd

In Becherbach ist ein Wunder geschehen. Als nach der Sanierung des Gemeindehauses abgerechnet wurde, waren alle begeistert: Tausend Euro billiger als geplant! Selbstverständlich sei das ja nicht, sagte der Bürgermeister bescheiden. Wie wahr: Sie sollten einen Untersuchungsausschuss einrichten in Becherbach, um herauszufinden, wie das bloß passieren konnte.

Wenn der Staat als Bauherr auftritt, wird es fast immer teurer als geplant. An mangelnder Übung kann es nicht liegen. Staatliche Auftraggeber gehören zu den ganz Großen der Bauwirtschaft, so steht es in einem Gutachten zum Kostenvergleich öffentlicher und privater Bauvorhaben. Der Staat ist demnach bei nahezu allem teurer. Einen „Kostenkennwertunterschied“ hielten die Sachverständigen dennoch nicht für nachweisbar – es sei ja möglich, dass öffentliche Bauherren einfach die aufwendigeren Objekte hätten.

Tatsächlich stellen sich Privatleute eher selten einen Großflughafen in den Garten. Aber warum heißt es auch dann fast immer „teurer als geplant“, wenn es um Sportplätze, Schulen, Schwimmbäder und Straßen geht? Das zitierte Gutachten hat übrigens das Bundesamt für Bauwesen bestellt.

Bildergalerie: Debakel um den neuen Flughafen:

Das Debakel um den neuen Flughafen in Bildern
Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung für das Flughafen-Desaster übernommen. Am 24.05.2013 wies er jedoch eine persönliche Verantwortung für die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von sich. Doch nun, Mitte Dezember ist sein Comeback als Aufsichtsrat sicher.Weitere Bilder anzeigen
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13.12.2013 10:52Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung...

Der Berliner Flughafen sollte mal zwei Milliarden Euro kosten, dann zweieinhalb, jetzt sind es ungefähr drei, ein Ende ist nicht abzusehen. Am Beispiel des Terminals lässt sich erkennen, was da falsch läuft. In der Absicht, Preisabsprachen von Generalunternehmern zu verhindern, hatte der politisch geführte Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft die Ausschreibung gestoppt. Die Bieter hätten die Abfertigungshalle für eine Garantiesumme von rund einer Milliarde hergestellt, der Aufsichtsrat hielt einen Preis von 630 Millionen für möglich.

Bildergalerie: Wo Berlin scheitert:

Berlins Problemzonen
Stahldrähte ragen aus dem Beton, im Sommer 2010 begann die Sanierung der Staatsoper. Erst im Rahmen eines Hauptstadtfinanzierungsvertrags verpflichtete sich der Bund 2007, für die Grundsanierung der Staatsoper 200 Millionen Euro auszugeben.Weitere Bilder anzeigen
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08.05.2012 17:15Stahldrähte ragen aus dem Beton, im Sommer 2010 begann die Sanierung der Staatsoper. Erst im Rahmen eines...

Die Aufträge wurden geteilt und einzeln ausgeschrieben, die IHK war begeistert, sie sah regionale Unternehmen im Vorteil. Das Ergebnis: Die Halle wird mindestens 200 Millionen Euro teurer als der Garantiepreis und doppelt so teuer wie die politische Hoffnung; sie wird später fertig wegen der späten Aufteilung; tausende regionale Geschäftsleute sind wegen der geplatzten Eröffnung massiv geschädigt. Und alles das ist auch noch logisch.

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