Berichterstattung WM 2014 : Zwischen den Spielen: Qualitätsvolle Nullberichterstattung

Es ist die Zeit der TV-Experten von Oliver Kahn bis Katrin Müller-Hohenstein: Die Zeit zwischen den Spielen. Die Stunde, die, so findet Gerrit Bartels, man derzeit am meisten fürchten muss.

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Die ZDF-Moderatorin im Quartier der deutschen Mannschaft, Katrin Müller-Hohenstein, posiert mit ZDF-Live-Reporter Bela Rethy (2.v.l), ZDF-Fußball-Experte Oliver Kahn (l) und ZDF-Fußball-Experte Hasan Salihamidzic in Hamburg während eines Fototermins vor einer ARD- und ZDF-Pressekonferenz in Hamburg für die Fotografen.
Die ZDF-Moderatorin im Quartier der deutschen Mannschaft, Katrin Müller-Hohenstein, posiert mit ZDF-Live-Reporter Bela Rethy...Foto: dpa

Mittlerweile geht die Angst um, wenn man so allabendlich vor dem heimischen Fernseher sitzt, um von sechs bis dann spät in die Nacht drei Fußballspiele anzuschauen. Es ist nicht die Angst vor schlechten Fußballspielen, davon hat es bislang ja wirklich kaum welche bei der Weltmeisterschaft in Brasilien gegeben, eigentlich geballt erst jetzt am Sonntag; auch nicht die vor der eigenen Erschöpfung, die einen so manches Mitternachtsspiel nur zur Hälfte schauen lässt und aus dem Fernsehsofa das Bett macht.
Nein, es ist die Angst vor der Zeit zwischen den Spielen, vor den Stunden zwischen 20 und 21 Uhr und  23 und 0 Uhr. (Vor 18 Uhr schaltet man sicherheitshalber gar nicht erst ein). Diese Zeit gehört den Fußball-Experten, Kommentaren, Analysen, der Vorbereitung auf das folgende Spiel und, last, but ganz, ganz sicher nicht least, den Berichten über die deutsche Mannschaft. Dreimal Katrin Müller-Hohenstein vor dem hoch verschlossenem Tor des deutschen Mannschaftsquartier, das ist ganz harter Stoff, soviel aufgekratzte Heiterkeit und Stimmung Müller-Hohenstein verbreiten mag. Ach, allein wie sie den Tagesablauf der Mannschaft vor dem Portugal-Spiel vorliest: 14 Uhr Mittagessen, Fleisch, Fisch und Salate, 16 Uhr Kaffee und Kuchen, 19 Uhr Abendessen (ja, was eigentlich?) und 22 Uhr Bettruhe. Auszüge davon liefert sie später auch bei Claus Kleber im „Heute-Journal“ („jetzt sitzt die Mannschaft gerade bei Kaffee und Kuchen“). Dann die Aufregung um Schweinsteiger, der im Krankenhaus war, um sich untersuchen zu lassen, aber nur aus „versicherungstechnischen Gründen“, die natürlich nicht näher erläutert werden.

Jetzt ist es aber wirklich auch endlich mal Zeit mit dem Spiel gegen Portugal

Nun gut, Müller-Hohenstein und den anderen sei zugestanden, dass sie dasselbe Problem wie Löw und seine Spieler haben und es jetzt aber wirklich auch endlich Zeit wird mit dem Spiel gegen Portugal und es tatsächlich eine Kunst ist, aus sehr, sehr wenig zumindest ein wenig mehr zu machen.

Oliver Kahn zu Honduras: „Kleines Land, armes Land“

Aber auch sonst tut sich doch nur sehr, sehr wenig in diesen schlimmen Stunden. Geradezu ärgerlich ist es, was da an Stoff über manche Mannschaften zusammengetragen wird: Die Chilenen haben gerade einmal zwei Spieler, die der Erwähnung wert sind (Vidal, Sanchez), und ein Einspieler über die Rettung der Bergleute in der Atacama-Wüste vor fast vier Jahren soll den Kampfes- und Heldenmut der chilenischen Fußballer symbolisieren. Das war schon viel im Vergleich zu Honduras („kleines Land, armes Land“, Oliver Kahn), das mit einem sehr, sehr kurzen Filmchen (kleines Land, armes Land, Drogen, der Fußball als Hoffnung) und einem dieser wohl von der FIFA zur Verfügung gestellten Fußballer-Interview vorgestellt wurde. Nein, das ist nichts. Einiges gewonnen wäre, wenn ARD und ZDF statt der qualitätsvollen Nullberichterstattung aus dem deutschen Mannschaftsquartier etwas mehr Qualität in die Berichte über die Mannschaften der anderen, insbesondere nichteuropäischen Länder stecken würde. Das hätte natürlich auch was Angstlösendes. 

 

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