Bernard Arnault: : „Ich habe die Einbürgerung in Belgien beantragt“

Er ist der reichste Franzose. Nun entfacht Bernard Arnault einen politischen Sturm um die Reichen-Steuer. Ein Porträt.

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Er ist der reichste Franzose. Seine Jahresbezüge als Manager beliefen sich 2011 auf 10,7 Millionen Euro. Auf der Weltrangliste der größten Vermögen rangiert er laut dem Magazin „Forbes“ hinter dem Mexikaner Carlos Slim und den Amerikanern Bill Gates und Warren Buffet mit 32 Milliarden Dollar auf dem vierten Platz. Doch das genügt Bernard Arnault nicht. Jetzt will der Präsident des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH (LouisVuitton-Moet- Hennessy) auch der reichste Belgier werden.

Am Wochenende ließ er einen Bericht der Brüsseler Zeitung „La Libre Belgique“ bestätigen, dass er die belgische Staatsbürgerschaft beantragt habe. Diese Entscheidung habe er aber nicht aus steuerlichen Gründen getroffen, sondern aus persönlichen, familiären und beruflichen Gründen. Im Nachbarland wolle er seine Geschäfte weiterentwickeln, seinen steuerlichen Wohnsitz werde er weiter in Frankreich haben.

Die Nachricht versetzte das politische Paris gleichwohl in hellste Aufregung. Seit Präsident François Hollande im Wahlkampf angekündigt hat, auf Einkommen von über einer Million Euro eine Steuer von 75 Prozent zu erheben, war sie, wenn auch nicht gerade von Arnault, erwartet worden. Bereiten Frankreichs Großverdiener den befürchteten Steuerexodus vor? Steuerliche Motive hat Arnault zwar dementiert. Der 63-jährige Unternehmer stammt aus Roubaix an der belgischen Grenze, ist mit einer Kanadierin verheiratet und besitzt neben seinem mondänen Pariser Domizil auch eine Residenz in Belgien. Zu seinen persönlichen Verbindungen zählt vor allem die Partnerschaft mit dem belgischen Milliardär Albert Frère. Doch: „Um in Belgien zu investieren, muss man nicht belgischer Staatsbürger sein“, sagte ein Brüsseler Steueranwalt. Die Vermutung ist also groß, dass es nur der erste Schritt in Richtung Belgien ist, das mit seinem günstigen Steuerklima schon viele Franzosen angezogen hat.

Viele Fragen zur 75-Prozent- Steuer sind noch offen. Von Ausnahmen war die Rede. Fußballer und Künstler sowie Kapitaleinkommen sollten zum Beispiel nicht betroffen sein. Das wurde vom Élysée-Palast dementiert, als sich Vorwürfe von links mehrten, Hollande nehme seine Wahlvorhaben zurück. Am Sonntagabend wollte der Präsident in einem TV-Interview seine Pläne erläutern. Dass er noch einen Rückzieher machen würde, galt nach dem Wirbel um Arnaults Ankündigung als unwahrscheinlich. Hans-Hagen Bremer

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