Bernard-Henri Lévy im Porträt : „Das Blut würde die Fahne bespritzen“

22.03.2011 06:27 UhrVon Hans-Hagen Bremer
Wie ein Außenminister tritt Bernard-Henri Lévy auf - gern auch mit weit offenem Hemdkragen. Foto: Reuters
Wie ein Außenminister tritt Bernard-Henri Lévy auf - gern auch mit weit offenem Hemdkragen. - Foto: Reuters

Nicolas Sarkozy nannte ihn "kleinen Angeber". Doch der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy hat Frankreichs Libyen-Politik maßgeblich beeinflusst.

Wenn es irgendwo auf der Welt eine Krise gibt, in der sich Menschen gegen ihre Unterdrücker wehren, ist Bernard-Henri Lévy zur Stelle. Ob in Afghanistan, als der Kommandant Massoud sich gegen die Taliban zu behaupten versuchte, in Bosnien, wo die Einwohner von Sarajewo aus dem Hinterhalt von Serben beschossen wurde, oder in Pakistan, wohin er reiste, nachdem islamische Extremisten den Korrespondenten des „Wall Street Journal“, Daniel Pearl, entführt und ermordet hatten – BHL, wie er genannt wird, ist stets zur Stelle.

Unter Frankreichs Intellektuellen gehört der 62-jährige Philosoph, Essayist und Publizist, der in den 70er Jahren als einer der Wortführer der „nouveaux philosophes“ der französischen Linken die Augen vor dem kommunistischen Totalitarismus öffnete, zu der Spezies von Intellektuellen, die die Pariser Szene beleben und auch, wie Kritiker sagen, zur Selbstdarstellung benutzen.

Als Denker, der seinen Marx gelesen hat, hält er sich an die Maxime, dass man die Welt nicht nur interpretieren, sondern sie verändern muss. Das ist ihm nun, was den Lauf der Welt angeht, wieder einmal gelungen.

Wie 1994, als er Präsident François Mitterrand überzeugte, den bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic in Paris zu empfangen und damit eine Wende in der Haltung Frankreichs zum Bürgerkrieg in Jugoslawien auslöste, war er es jetzt auch, der den Vertretern der libyschen Opposition die Tür zum Elysée-Palast öffnete und Präsident Nicolas Sarkozy dazu brachte, mit seinem diplomatischen Vorpreschen den Weg für die UN-Resolution gegen Libyen zu bereiten.

Auf eigene Faust war BHL Anfang des Monats in die Rebellenhochburg Bengasi im Osten Libyens gereist, um über den Aufstand gegen Gaddafi zu berichten. Dort knüpfte er Kontakte zum Nationalen Rat der Opposition, und nach einem Anruf bei Sarkozy („Bist Du bereit, die Aufständischen zu empfangen?“) lud er deren Vertreter nach Paris ein, wo er sie zum Präsidenten begleitete. Sarkozy erkannte sie in dem Gespräch als legitime Vertretung des libyschen Volkes an, und Lévy verkündete den Beschluss, als ob er der Außenminister Frankreichs wäre.

Als „kleinen Angeber“ hatte Sarkozy den selbstbewussten BHL einmal verspottet. Doch seinem Argument konnte er sich nicht entziehen. „Wenn Gaddafi siegt, würde die Fahne Frankreichs buchstäblich vom Blut der Aufständischen bespritzen“, hatte BHL gesagt.

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