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Beschneidung : Wenn die Ideen der Aufklärung totalitär werden

12.08.2012 00:00 Uhrvon

In der Beschneidungsdebatte ist ein antireligiöser Furor spürbar, eine Tendenz des Verbietens und Reglementierens. Er erinnert stark an das kirchliche Verbieten und Reglementieren aus früheren Zeiten.

Bei den Muslimen ist die Beschneidung ein Initiationsritus. Der Junge, der an der Schwelle zur Pubertät steht, soll bei dieser Prozedur zum ersten Mal Mut beweisen – das ist die kulturelle Bedeutung, die mit verschiedenen religiösen Begründungen unterfüttert wird.

Im Judentum ist die Beschneidung von Knaben seit der Zeit des babylonischen Exils üblich. Vermutlich handelte sich um eine Maßnahme, die den Zusammenhalt des jüdischen Volkes in einer feindlichen Umgebung stärken sollte. Im ersten Buch Mose sagt der jüdische Gott: „Eure Vorhaut sollt ihr beschneiden.

Es soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch.“ Dieses Zeichen erleichterte natürlich auch den Antisemiten ihr Geschäft. Zum vermutlich ersten Mal wurden im zweiten vorchristlichen Jahrhundert auf dem Gebiet des Römischen Reiches Frauen getötet, die ihre Söhne beschneiden ließen. Eine Methode bestand darin, die Säuglinge an ihre Mütter zu fesseln und beide von der Stadtmauer zu stürzen.

Dann betraten die Christen die historische Bühne. Jesus, der natürlich beschnitten war, hat sich zu dieser Sitte nicht klar geäußert. Aber der Aufstieg des Christentums zur Weltreligion war nur möglich, weil die Christen vom Beschneidungsgebot Abstand nahmen. Man missionierte fleißig, Konvertiten wollte man nicht zu der Prozedur zwingen. Gleichwohl ließen sich auch die frühen Christen meist beschneiden, bei den Kopten und bei den Äthiopisch-Orthodoxen ist es bis heute Vorschrift. Bis 1962 feierte die Katholische Kirche das Fest der Beschneidung des Herrn, etliche Kirchen stritten sich im Mittelalter darum, wer wohl die „Heilige Vorhaut“ besitzt, das Zipfelchen des Herrn. Verbreitet war aber auch die Ansicht, dass Jesu Vorhaut ihn bei seiner Himmelfahrt begleitet hat und sich dann als gewaltiger Ring um den Planeten Saturn gelegt hat.

Bildergalerie: Die Debatte über das Beschneidungsurteil

Die Deutschen sind vorhautpolitisch zum ersten Mal 1527 in Erscheinung getreten, als ein deutscher Söldner die wichtigste Vorhaut-Reliquie aus dem römischen Lateran gestohlen und danach 30 Jahre lang versteckt hat, warum auch immer. Diese Vorhaut, die definitive Heilige Vorhaut, war im Jahre 800 Papst Leo III. von Karl dem Großen geschenkt worden. 1983 ist die gleiche Heilige Vorhaut aus der Kirche von Calcala zum zweiten Mal gestohlen worden, man sucht sie bis heute. Steckt etwa wieder ein Deutscher dahinter?

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