Bürgerkrieg in Syrien : Eine Region vor dem Zerfall

Die Situation in Syrien wird immer dramatischer. Der Bürgerkrieg ist längst auf andere Länder übergesprungen - allen voran Libanon und Irak. Die geplante Syrien-Konferenz ist tatsächlich die letzte Hoffnung für die ganze Region.

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Der syrische Staatspräsident Präsident Baschar al Assad.
Der syrische Staatspräsident Präsident Baschar al Assad.Foto: dpa

Die Gewalt eskaliert im Jahrestakt. Im ersten Jahr ließ das Regime von Präsident Baschar al Assad die friedlichen Demonstranten auf Syriens Straßen zusammenschießen. Im zweiten Jahr bombte die syrische Armee ganze Stadtteile und Städte in Schutt und Asche. Im dritten Jahr frisst sich der Konflikt nun in die gesamte Region hinein.

Denn längst schon hat Syriens Bürgerkrieg die nationale Arena verlassen. Längst ist er kein Kampf mehr zwischen lokalen Aufständischen und ihrem verhassten nationalen Regime .Libanon und Irak taumeln bereits, die beiden fragilen Nachbarn des Konfliktlandes werden sich nicht mehr lange auf den Beinen halten. Auch die stabileren Rivalen Iran und die Golfstaaten sowie Iran und Türkei lassen bei ihrem Poker um die künftige Machtverteilung im Nahen und Mittleren Osten keinen Willen zum Einlenken erkennen.

Gleichzeitig schieben sich die konfessionell-ethnischen Bruchlinien Syriens über einen alawitisch-schiitischen Küstenstreifen mit Damaskus, ein sunnitisches Rebellenareal im Norden sowie eine kurdische Enklave im Osten immer weiter in die übrige Region hinein. Die irakischen Kurden warten nur auf einen günstigen Augenblick, um ihre Unabhängigkeit von Bagdad offiziell zu erklären. Im Irak bekämpfen sich Radikale der sunnitischen und schiitischen Bevölkerungsteile wieder mit einer Brutalität, die an die schlimmsten Bürgerkriegsjahre nach dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein erinnert. Autobomben, Angriffe auf Gotteshäuser sowie Geiselerschießungen gehören zum blutigen Alltag, während der inkompetenten Regierung in Bagdad die Zügel mehr und mehr entgleiten.

Ähnlich brisant auch das Bild in Beirut. Seit dem vergangenen Wochenende agiert die Hisbollah in Syrien offen als Kriegspartei und könnte den Libanon erneut auf eigene Faust in einen Krieg hineinziehen – wie schon 2006 gegen Israel. Eine internationale Syrien-Konferenz soll nun versuchen, dem Morden Einhalt zu gebieten. Wenn sie scheitert, werden wohl bald alle Dämme brechen.

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