Claudia Kohde-Kilsch : „Das ist für mich ein Traumjob“

Sie hat unter Steffi Grafs Popularität gelitten und musste Privatinsolvenz anmelden. Nun wird Claudia Kohde-Kilsch Sprecherin von Oskar Lafontaines Linkspartei im saarländischen Landtag. Ein Porträt.

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Claudia Kohde-Kilsch wird Sprecherin von Oskar Lafontaines Linkspartei im saarländischen Landtag.
Claudia Kohde-Kilsch wird Sprecherin von Oskar Lafontaines Linkspartei im saarländischen Landtag.Foto: dpa

Einst war Tennis ihr Beruf, mittlerweile hat Claudia Kohde-Kilsch die Politik als neue große Leidenschaft für sich entdeckt. Die 48-Jährige übernimmt mit dem heutigen Tage das Amt als Sprecherin der Linkspartei im saarländischen Landtag. „Das ist für mich ein Traumjob. Ich hoffe, dass ich politisch viel lernen kann“, sagte die gebürtige Saarbrückerin, die die Position von Oskar Lafontaine angeboten bekommen hatte. Der Fraktionschef der Saar- Linken kennt Kohde-Kilsch aus ihrer großen Zeit als Tennisprofi. Noch bevor Steffi Graf ihren ersten Titel auf der Damentour gewonnen hatte, war Kohde-Kilsch schon Spitze. 1985 stand sie auf Platz vier der Weltrangliste im Einzel, im Doppel aber feierte sie ihre wichtigsten Siege. An der Seite ihrer Doppelpartnerin Helena Sukova gewann sie Wimbledon und die US-Open.

Mit Steffi Graf hingegen verband sie keine Freundschaft. „Es ist hart, wenn die eigenen Erfolge untergehen, das geht einem schon auf den Wecker“, sagte sie Ende letzten Jahres in einem Interview mit dem „SZ“-Magazin. Graf wurde zum Liebling der Fans, für die schlaksige und auf dem Platz oft mürrisch wirkende Kohde-Kilsch blieb nur die Rolle als Nebendarstellerin. Dabei waren die Karrieren beider Spielerinnen durch einen dominierenden Vater geprägt. Im Fall von Kohde-Kilsch mit dramatischen Folgen: Mit ihrem Stiefvater stritt sie nach ihrer Profilaufbahn vor Gericht. In seiner Funktion als Manager soll er ihr gesamtes Vermögen durchgebracht haben. Obwohl Kohde-Kilsch in allen Instanzen recht bekam, sah sie von ihren rund zwei Millionen US-Dollar Preisgeld keinen Cent wieder. Ihr Stiefvater verstarb 2004 – und hinterließ ihr nichts als Schulden. Im vergangenen Jahr meldete die inzwischen studierte Journalistin schließlich Privatinsolvenz an.

Nun also die Politik. Für die Linken war Kohde-Kilsch bereits im jüngsten Landtagswahlkampf aktiv und nahm als Wahlfrau an der Bundesversammlung teil, die im März Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten wählte. Ihre Ambitionen klingen dabei durchaus sportlich: „Ich bin in einem guten Alter und vielleicht noch jung genug, um eine politische Karriere hinlegen zu können.“ Mitglied bei den Linken ist die geschiedene Mutter eines elfjährigen Sohnes bisher nicht, mit Lafontaine hat sie allerdings einen wichtigen Förderer an ihrer Seite, von dem sie sagt: „Einen besseren Mentor als Oskar kann ich mir nicht vorstellen.“

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