Comeback-Politiker : Das Brillen-Wunder des Karl-Theodor zu Guttenberg

04.12.2011 11:19 UhrVon Harald Martenstein
Auch wenn man keine Brille braucht, braucht man als echter Kampfpilot natürlich eine Fliegerbrille: Karl-Theodor zu Guttenberg. Foto: dapd
Auch wenn man keine Brille braucht, braucht man als echter Kampfpilot natürlich eine Fliegerbrille: Karl-Theodor zu Guttenberg. - Foto: dapd

Eine Ärztin in den USA soll Ex-Verteidigungsminister Guttenberg gesagt haben, er brauche keine Brille. Seine Erklärung für das Phänomen findet Harald Martenstein wundersam. Und wenn er doch die Unwahrheit sagt?

Das, was an dem Fall Guttenberg ebenfalls interessant ist, aber in den letzten Tagen von niemandem aufgegriffen wurde: seine Wunderheilung. Herr Guttenberg pflegte eine Brille zu tragen. Bei seinem Comeback tritt er den Menschen ohne Brille entgegen. Man kann natürlich zu Kontaktlinsen übergehen. Man kann sich lasern lassen. Deshalb hätte ich mir, ehrlich gesagt, über die Abwesenheit der Guttenbergschen Brille keine Gedanken gemacht. Ein Fehler! Im „Zeit“-Interview wird er nämlich nach der Brille gefragt.

Guttenberg sagt, dass er von einer Ärztin in den USA erfahren hat, dass er überhaupt keine Brille braucht. Er könne, wörtlich, „vollkommen ausreichend sehen“ – deswegen, vermute ich, sieht er jetzt auch die „Spinnweben“, die über der CSU liegen. Einige Zeilen weiter sagt er, dass er „auf dem linken Auge extrem kurzsichtig“ gewesen sei, auf dem rechten Auge hingegen „relativ weitsichtig“, und zwar seit Jahren. Ihm sei aber erklärt worden, dass die Augen sich im Alter verbessern können. Jetzt trage er nur noch beim Autofahren Brille: „Da ist es schon besser, wenn man mit dem linken Auge etwas mehr sieht als nur schwarze Klumpen, die einen überholen.“ Ein schwarzer Klumpen, der ihn links überholt, für mich klingt das wie ein Angriff auf Seehofer. Mit Eitelkeit jedenfalls habe die ganze Sache nicht das Geringste zu tun.

Zufällig habe ich einen ähnlichen Augenfehler, ein Auge kurz-, das andere weitsichtig. Vom Augenarzt weiß ich, dass es tatsächlich das Phänomen der Altersweitsichtigkeit gibt. Eine Kurzsichtigkeit kann sich, etwa ab dem 40. Lebensjahr, abmildern. Weitsichtigkeit dagegen wird meistens schlimmer. Menschen, deren relativ starke Weitsichtigkeit im Laufe des Alterns verschwindet, sind erstaunliche Naturphänomene, vor allem, wenn dies innerhalb kurzer Zeit geschieht.

Noch erstaunlicher ist es, wenn, wie im Falle Guttenberg, das eine Auge, das kurzsichtige, sich in Richtung Weitsichtigkeit entwickelt, während das andere Auge, das weitsichtige, in seiner Entwicklung die genau umgekehrte Richtung einschlägt. Dies sind Vorgänge, die man nur mit Jesu Wandeln über das Wasser vergleichen kann. Guttenbergs Körper gehört nicht in die Politik, er muss der Wissenschaft zur Verfügung stehen.

Und wenn er doch die Unwahrheit sagt? Heimlich Kontaktlinsen, nein, das wäre die denkbar größte Dummheit. Was ich für möglich halte: Dass Herr Guttenberg auch seine Brille nicht sauber gekennzeichnet und auf verschiedenen Datenträgern abgelegt hat, wie die Zitate in der Doktorarbeit, und sie aufgrund seiner chaotischen Arbeitsweise und seiner Belastung als junger Vater nicht wiederfindet. Nun hat er nicht die Kraft, das sich selbst gegenüber einzugestehen.

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