Condoleezza Rice: : „Ich will nicht Vizepräsidentin werden“

Sie war George W. Bushs Außenministerin. Nun ist Condi Rice als Mitt Romneys Vizepräsidentschaftskandiatin im Gespräch. Ein Porträt.

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Ist dies ein Versuchsballon, was der rechte Flügel der Partei zu schlucken bereit wäre, um die Chancen auf einen Wahlsieg zu erhöhen? Das konservative Onlineportal „Drudge Report“ hat Condoleezza Rice als wahrscheinliche Vizepräsidentschaftskandidatin vorgestellt. Sie sei Mitt Romneys „Favoritin“. Die ehemalige Sicherheitsberaterin und Außenministerin unter George W. Bush lässt zwar ausrichten, sie sei an der Berufung gar nicht interessiert. Sie ist 2009 in ihre Professur an der Stanford Universität zurückgekehrt. Aber auf solche Dementis geben amerikanische Medien wenig: So reagieren doch alle, gerade wenn sie ernsthaft infrage kommen. Vielmehr wird nun eine Interviewäußerung von Romneys Frau Ann herangezogen: Ihr Mann erwäge, eine Frau zu nominieren.

Die Argumente pro und kontra Rice halten sich die Waage. Die 57-Jährige könnte Wählergruppen ansprechen, mit denen sich Romney schwertut: Erstens, Frauen generell. Unter ihnen hat Barack Obama mehrere Prozentpunkte Vorsprung. Zweitens, Afroamerikaner, die zweitgrößte Minderheit nach den Latinos. In den Umfragen liegen Romney und Obama dicht beieinander. In den wahlentscheidenden „Swing States“ können ein paar zehntausend Stimmen den Ausschlag geben. Außerdem verkörpert Rice außenpolitische Kompetenz. Da hat sich Romney bisher nicht hervorgetan.

Rice’ Stärken lassen sich jedoch wahlstrategisch auch als Schwächen auslegen. Ihre Toleranz für Abtreibungsfreiheit macht sie für Frauen in der Mitte der Gesellschaft wählbar. Damit löst sie jedoch allergische Reaktionen in der großen Gruppe christlicher Republikaner aus. Die kategorische Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen gehört dort zum ideologischen Kern. Die Basis zweifelt ohnehin an Romneys Prinzipientreue. Die Entscheidung für Rice als VP (Vizepräsidentin) würde das Misstrauen neu beleben.

Ihre je vier Jahre als Sicherheitsberaterin ab 2001 und Außenministerin ab 2005 bieten den Demokraten Angriffsflächen. Sie würden Rice’ Berufung als Rückkehr zu Bushs Außenpolitik interpretieren und die verbreitete Frustration über den Verlauf der unter Bush begonnenen Kriege in Afghanistan und im Irak instrumentalisieren. Rice hat zudem nie einen Wahlkampf geführt und gewonnen.

Die Spekulationen um Rice zeigen, dass die Zeit drängt. Bis Mitte August muss Romney seinen VP-Kandidaten benennen. Christoph von Marschall

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