Meinung : Da glimmt der Unmut

„Berlin wird wie Düsseldorf“ vom 1. Juli

Ohne Gaslaternen würde auch die wunderbare Strophe von „Element of Crime“ nicht mehr zutreffen: „... denn das Licht der Gaslaternen lässt uns schwindeln und warm sind die Nächte in Berlin. Wir taumeln durch die Straßen, so als wären wir jung und schön“.

Martina Sydekum, Berlin-Lichterfelde

Ich kann Harald Martenstein nur zustimmen: Wenn die Berliner Bürger nicht dafür kämpfen, „dass ihre Stadt einmalig bleibt, mit Szene, mit Freiräumen, mit Gaslaternen“, wird der SPD-geführte Senat das einzigartige Kulturgut Gasbeleuchtung unwiederbringlich zerstören.

Ein erster Schritt in diesem Kampf ist die Petition: http://gaslicht-ist-berlin.de.

Jascha Braun, Berlin-Prenzlauer-Berg

Ein solches Alleinstellungsmerkmal der Stadt Berlin, das nur infolge der ganz besonderen geschichtlichen Situation Berlins wie durch ein Wunder bis ins neue Jahrtausend überleben konnte und einzigartig in der Welt ist, darf nicht unüberlegt zerstört werden. Der Abriss dieser leuchtenden Zeugnisse einer glanzvolleren Zeit würde ein unersetzlicher Verlust an Flair für die Stadt bedeuten.

In Prag wurden schon vor Jahren die Gaslaternen abgeschafft – jetzt werden sie mit Berliner Technik als Touristenattraktion wieder eingeführt.

Als Engländer, der seit 2003 in dieser wundervollen und doch so frustrierenden Stadt zu Hause ist und schon manchen Spaziergang im Berliner Gaslicht machen durfte, wünsche ich mir, dass die Berliner und alle, denen die Stadt Berlin am Herzen liegt, rechtzeitig aktiv werden und zusammen dafür sorgen, dass Berlins weltweit einmalige Gas-Straßenbeleuchtung für kommende Generationen erhalten wird.

Paul Harrison, Berlin-Lichterfelde

Der wesentlichere Punkt in Ihrer Aussage und ein Beleg Ihrer Unwissenheit bezüglich Düsseldorf ist jedoch die Tatsache, dass Düsseldorf über 17 000 aktive (und größtenteils sehr schöne alte) Gaslaternen verfügt und damit bezogen auf die Fläche eine deutlich höhere Gaslaternendichte als Berlin aufweist. Da ich beruflich die Stadtwerke Düsseldorf bezüglich der Gasversorgung berate, kann ich Ihnen versichern, dass die gleichen Diskussionen hier genauso im Gange sind wie in Berlin.

Viele Grüße aus Düsseldorf, geschrieben von einem gebürtigen Berliner.

Piet Hensel, Düsseldorf

War Herr Martenstein schon einmal in Lichterfelde? Vermutlich nicht, zumindest nicht zu Fuß. Sonst müsste er bemerkt haben, wie wenig Licht in Lichterfelde ist, dank der nostalgischen Gasbeleuchtung. Bei vielen Laternen in den Wohnstraßen glimmt es sehr reduziert, auf den Gehweg fällt nur wenig Licht. Man tappt im Dunkeln, immer in Sorge, über Unebenheiten zu stolpern oder gar eine „Tretmine“ zu erwischen.

Wer sich derart vehement und kompromisslos für diese Funzelbeleuchtung stark macht, fährt wohl im Auto bis vor die Haustür und merkt deshalb überhaupt nicht, wie finster es auf dem Gehweg ist. Ich begrüße es jedenfalls, dass endlich die Wohnstraßen in den Außenbezirken ordentlich beleuchtet werden sollen.

Nur in der historischen Stadtmitte (Gendarmenmarkt, Nikolaiviertel) können bzw. sollten die Gaslaternen erhalten bleiben.

Ursula Kassner, Berlin-Lichterfelde

Gaslaternen haben fraglos eine ganz eigene Ausstrahlung, ihre Pflege und Beibehaltung können sicherlich ein Beitrag zum speziellen Flair von Berlin sein. Düsseldorf taugt hier als Gegenmodell nun allerdings gar nicht, denn nach Berlin gibt es dort die zweitgrößte Zahl von Gaslaternen. Im Verhältnis zur Stadtfläche ist ihr Anteil in der nordrhein-westfälischen Hauptstadt sogar deutlich höher.

Christoph Boisserée,Berlin-Neukölln

Würde man die absurde Logik, die der Senat an die weltweit einmalige Berliner Gasbeleuchtung anlegt, verallgemeinern, müsste der gesamte Altbaubestand der Stadt für viel Geld abgerissen und durch pflegeleichte Neubauten ersetzt werden, um dann im Unterhalt ein paar Euro einzusparen!

Ich teile Herrn Martensteins Befürchtung, dass unsere Verwaltung den Abriss der Gasbeleuchtung „technisch hinbekommt“. Ich hoffe auf einen Bürgeraufstand, um diesen Kulturfrevel noch zu verhindern!

Sebastian Amler,

Berlin-Charlottenburg

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