Debatte über Homosexualität : Ich bin nicht homophob und das ist gut so!

Wird Homophobie der neue Trend? Nach vielen Bekenntnissen, pro und contra Homosexualität, fragt sich unser Autor, was mit unserer Gesellschaft eigentlich los ist.

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Wer liebt wen? Ist das nicht vollkommen egal?
Wer liebt wen? Ist das nicht vollkommen egal?Foto: dpa

Es ist in diesen Tagen ja absolut hip, sich zur eigenen Homophobie zu bekennen. Seit sich ein Fußballspieler post-karriere als Homosexueller geoutet hat, scheinen in Deutschland eine Menge Menschen sexuell durchzudrehen. Das geht so weit, dass es Menschen gibt, die öffentlich sagen, sie seien homophob, und das sei auch gut so.

Das zitiert natürlich Klaus Wowereit, den bekennenden Regierenden in Berlin. Das soll wahrscheinlich witzig sein. Dieses jüngste Bekenntnis zur Homophobie stammt übrigens von einem Menschen, einem fast schon fanatischen Katholiken, der jahrzehntelang für ein, für DAS, Hamburger Nachrichtenmagazin gearbeitet hat und dann zum natürlichen Feind dieses Magazins, einem Konzern, dessen Weltbild sich aus „Welt“ und „Bild“ zusammensetzt, konvertierte.

Konvertiten sind in der Regel nach ihrem Übertritt wüste Eiferer. Dieser Mensch, Matthias M., wird natürlich wissen, dass er Wowereit zitiert. Und eigentlich muss er auch wissen, was eine Phobie ist. Die Psychologie spricht von einer Phobie, wenn es sich um eine krankhafte Angst handelt. Es gibt Menschen, die haben eine Schlangenphobie, andere haben eine Flugphobie. Beides ist heilbar. Ob Homophobie heilbar ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich muss man dazu von Grund auf ansetzen, also beim Menschenbild.

Ich bekenne jetzt auch mal: Ich bin nicht homophob. Meine allerengste Freundin ist verheiratet. Mit einer reizenden Frau. Ich, für meinen Fall, bekenne mich zu meinem Lesbendasein, ich liebe Frauen. Eine besonders. Weil der Aspekt der Vermehrung in der Debatte, besonders bei Katholiken, eine große Rolle spielt und als Argument für Homophobie eingesetzt wird, bekenne ich noch etwas: Ich finde, dass die heterogene Liebe gegenüber der homosexuellen Liebe den Vorteil hat, ein Kind zeugen zu können.

Ich bin Vater, und das ist auch gut so. Aber Angst, gar krankhafte Angst, vor nicht heterosexuellen Menschen habe ich deswegen nicht. Ich wüsste auch nicht, warum ich eine Rangfolge aufstellen sollte. Es hat bislang auch noch keine Versuche gegeben, mich zu missionieren. Es gibt auch keinerlei Anzeichen, dass das Kulturministerium von Baden-Württemberg mit seinem Vorstoß, homosexuelle Lebensformen in den Schulunterricht einzubinden, zur Homosexualität erziehen wolle. Dass aber glauben Menschen wie dieser Konvertit Matthias M., zumindest behaupten sie es.

Der frühere Fußballspieler, der sich geoutet hat,  hat wohl geglaubt, unsere Gesellschaft sei inzwischen offen und klar genug, dass sexuelle Orientierung kein Thema mehr sei. Er hat sich offensichtlich geirrt. Und das ist absolut nicht gut so.

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