Der Kredit des Bundespräsidenten : Christian Wulff hat die politischen Zinsen vergessen

Alles deutet darauf hin, dass der Deal zwischen dem früheren Ministerpräsidenten und dem Unternehmer bewusst verschleiert werden sollte. Kaum vorstellbar, dass der heutige Bundespräsident so naiv war, das nicht zu bemerken.

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Die Aussage des Bundespräsidenten wird immer unglaubwürdiger.
Die Aussage des Bundespräsidenten wird immer unglaubwürdiger.Foto: dpa

Die einen schweigen sich um Kopf und Kragen, die anderen reden sich darum. Mit einem „Nein“ antwortete der damalige Ministerpräsident Christian Wulff im Parlament auf die Frage, ob zwischen ihm und dem Unternehmer Egon Geerkens geschäftliche Beziehungen bestanden. Zugleich verschwieg Wulff, dass er mit Geerkens’ Frau einen Kreditvertrag über eine halbe Million Euro abgeschlossen hatte. Heute sagt Egon Geerkens, er selbst habe damals die Verhandlungen darüber geführt, wie „das Geschäft“ abgewickelt werden könne.

Und ein Geschäft war es für die Geerkens, sie suchten einen sicheren Hafen für ihr Geld, es war Finanzkrisenzeit, und da haben sie eben in einen Freund investiert, der eben auch ein aufstrebender Politiker war – eine sichere Bank, mit vier Prozent Rendite. Und Geerkens war nach eigenen Aussagen, die der „Spiegel“ zitiert, sehr darum bemüht, nicht namentlich in diesem Zusammenhang aufzutauchen: „Ich wollte nicht, dass irgendein Bank-Azubi sieht, dass so viel Geld von mir an Wulff fließt.“ Man lese und staune: von ihm.

Also wurde „das Geschäft“, so muss man das wohl verstehen, bewusst verschleiert. Kaum vorstellbar, dass der heutige Bundespräsident so naiv war, das nicht zu bemerken. Gerade weil dem Geschäft eine freundschaftliche Beziehung zugrunde lag, wie Wulff sie behauptet, ist davon auszugehen, dass er über die Umstände genauestens im Bilde war. Die richtige Antwort auf die Frage hätte damals also nicht nur „Ja“ lauten können, sondern: so lauten müssen.

„Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte“, hatte Wulff noch am Tag zuvor gesagt. Wie sich nun zeigt, war selbst diese, mit der Bemerkung des Bedauerns dargereichte Erklärung nur scheinbar exakt. Eine falscher Eindruck konnte nicht nur entstehen, nein: er sollte es ganz offensichtlich – und das ist ein gravierender, für Wulff gefährlicher Unterschied. Denn ein Bundespräsident hat nicht viel mehr als das Wort. Darum sollte es dann auch schon stimmen.

Warum Geerkens jetzt redet und dann auch noch so – vielleicht weiß es sein Freund Christian Wulff. Die Schulden hat Wulff zurückgezahlt. Die politischen Zinsen hat er vergessen.

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