Meinung : Der Rowdy ist immer der Radfahrer

„Für 4000 Radler fängt der Frühling teuer an“ von Johannes Radke“ vom 14. April

1800 Berliner haben bei der letzten Verkehrskontrolle rote Ampeln überfahren. Einer davon bin ich. Von wegen! Wie so häufig, stehe ich auf dem Fahrradweg an einer roten Ampel. Neben mir auf der Straße ein Geländewagen. Die Fußgängerampel wird grün, ich fahre los. Das ist erlaubt. Da diese Kreuzung eine Radwegefurt besitzt, deren rechte Begrenzungslinie die linke Begrenzungslinie für die Fußgängerfurt darstellt, gilt sowohl nach Paragraf 37 Abs. 6 StVO (alte Regelung) bzw. Paragraf 53 Abs. 6 StVO (neue Regelung, bis 31.08.2012) für mich als Radfahrer die Fußgängerampel. Leider weiß das kaum einer, auch der Fahrer im Geländewagen neben mir nicht. Als seine Ampel Sekunden nach meiner ebenfalls auf grün springt, rast er wütend los, überholt mich mit nur wenigen Zentimetern Abstand. Zum Glück passiert mir nichts.

Kurz hinter der Kreuzung hält mich eine Polizistin mit roter Kelle an: „Sie haben soeben bei Rot die Kreuzung überfahren.“ Ich wäre fast vom Rad gefallen! Die Polizistin sagt das zu mir. Ich frage sie, ob sie die Straßenverkehrsordnung (StVO) kenne, und erkläre ihr die Situation an der Kreuzung, nämlich, dass ich korrekterweise bei Fußgängergrün losgefahren bin. Zwei weitere Polizisten belehren mich daraufhin, dass ich Radfahrer sei und man schon am Wort erkenne, dass für mich nicht die Fußgängerampel gelten könne. Ich bin sprachlos. Da sind mindestens sechs Polizisten bei einer Schwerpunktkontrolle des Radverkehrs speziell für Rotlichtverstöße angetreten und kein einziger kennt die entsprechenden Paragrafen? Meiner Bitte, doch einfach in der StVO nachzusehen, wollen die anwesenden Beamten leider nicht nachkommen. Auch will keiner gesehen haben, dass der Geländewagen mit viel zu geringem Abstand an mir vorbeigerast ist – eine Hauptursache für tödliche Radfahrerunfälle 2009. Der Rowdy bin hier nur ich.

Dabei wollte die Berliner Polizei nach eigenen Angaben mit der Verkehrskontrolle vor allem „für mehr gegenseitige Rücksicht zwischen Radfahrern, Fußgängern und Kraftfahrern“ werben. Ob der Typ in dem Geländewagen beim nächsten Überholen vorsichtiger ist? Und was soll ich daraus nun eigentlich lernen?

Dr. Dirk Rosenthal,

Berlin-Friedrichshain

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