Donald Trump : Die größte Show seines Lebens

Donald Trump ist Super-Siegfried und Anti-Clinton. Und er weiß, was den Amerikanern - vor allem den männlichen - gefällt. Ein Essay

Stephan Richter
Die größte Kanone von allen: Donald Trumps Erfolg steht für eine Sehnsucht nach einfachen Botschaften, meint unsere Kolumnistin.
Die größte Kanone von allen: Donald Trumps Erfolg steht für eine Sehnsucht nach einfachen Botschaften, meint unsere Kolumnistin.Foto: imago stock&people

Mit seinem Erfolg im amerikanischen Präsidentschaftsvorwahlkampf ist Donald Trump zu einem weltweiten Medienphänomen geworden. Trotz aller Aufmerksamkeit, die ihm bisher von Journalisten und Experten geschenkt worden ist, greifen die bisherigen Ansätze zur Erklärung seines Erfolgs zu kurz.

Es ist nicht allein sein dezidierter Standpunkt gegenüber Immigranten, der seinen Erfolg beim Wahlvolk (und nicht nur unter Republikanern) ausmacht. Auch sein angeblich „gutes Aussehen“, das Trump selbst des Öfteren für sich in Anspruch genommen hat, reicht als Erklärung nicht aus. Die Hauptanziehungskraft Trumps beruht auf der Tatsache, dass er sich als effektivste Alternative zur Wahl einer Frau als ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten präsentiert. Insofern sind Donald Trump und Hillary Clinton die siamesischen Zwillinge des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 in den USA. Sein Aufstieg – und sein Beharrungsvermögen in den Meinungsumfragen – wäre ohne die Dominanz der Kandidatur von Hillary Clinton auf demokratischer Seite nicht zu erklären.

Trump als Schutzschild gegen Hillary

Trumps Aufstieg ist insofern ein direktes Spiegelbild der elementaren Ängste, die insbesondere weiße Männer in den USA über den aus ihrer Wahrnehmung unaufhaltsamen Aufstieg von Frauen empfinden. Dieser beunruhigt, ja, verwirrt sie und erschüttert ihr Selbstverständnis. Hillary Clinton ist all das, wovor amerikanische Männer Angst haben: Sie ist klug, unnachgiebig, hochkompetent und hochgradig zielorientiert. Und zugleich ist sie unnahbar, erfolgreich – und inzwischen auch reich.

Diese Szene spielt auf einer Landwirtschaftsmesse in Iowa: Um sich volksmäßig zu geben, ist Hillary Clinton dabei, sich mit ihrem Tross unter das Volk zu mischen und für die Babyfotos und das Händeschütteln zur Verfügung zu stellen. Just in diesem Moment taucht im Himmel über der Landwirtschaftsmesse ein schwarz angemalter, mit dem Schriftzug „Trump“ versehener Hubschrauber auf und zirkelt erhaben über dem ganzen Geschehen. „The Donald“ beobachtet, was unter ihm abläuft – und erreicht mit dieser Inszenierung genau sein Ziel: Das Volk hält den Atem an und sieht ihn wie einen Hohepriester einschweben. Hillary Clintons Gegenwart wird zu Makulatur.

So wirkmächtig derlei Bildsprache ist, geht Trump mit seiner fein austarierten Rollendarstellung weit darüber hinaus. Denn es ist nicht eine Rolle, die er spielt, es sind zehn:

1. Der Super-Siegfried. Trumps blonde Haarmähne ist eindeutig genug: Er gibt sich als der sagenumwobene, heldenhafte Siegfried. Aber Trump setzt der Furchtlosigkeit des Wagner’schen Charakters noch etwas drauf. In einer Zeit, in der viele Amerikaner sich um ihr persönliches Auskommen Sorgen machen, betont Trump immer wieder, wie viele Menschen er beschäftigt. Damit stilisiert er sich zu einer Art Siegfried’schem Super-Versorger. Er signalisiert den Menschen, dass sie unter seinen Fittichen ihr Auskommen finden werden. Dieses Versprechen wirkt besonders auf Männer, deren Rollenverständnis als klassische Versorger ihrer Ehefrauen und Familien ins Wanken geraten ist. Dies ist ein erstes Beispiel für das instinktiv clevere Auftreten Trumps. Er entpuppt sich als ein überraschend zielsicherer, psycho-politisch versierter Stratege.

2. Trump als Schutzschild gegen Hillary. Nun ist Hillary Clinton für Trump alles andere als eine Brünnhilde. Er umwirbt sie nicht. Er lehnt sich gegen sie auf. Sie ist vielmehr das, wovor er das Volk – und insbesondere die Männer – schützen möchte. Auf den Punkt gebracht, sind Frauen heutzutage einfach zu erfolgreich, zu gebildet und dazu besser auch noch im Multitasking, das für den beruflichen und privaten Erfolg immer mehr zur Voraussetzung wird. Obendrein ist es den Frauen gelungen, die Einkommenslücke weiter zu schließen. Da junge weibliche Professionals in den USA inzwischen einen höheren Bildungsgrad erreichen als ihre männlichen Kollegen, wird es nicht lange dauern, bis sie nicht nur genauso viel, sondern sogar mehr als die Männer verdienen werden.

Warum spielt das in den vermeintlich modernen Vereinigten Staaten eine so große Rolle? Die Antwort ist relativ einfach. Trotz aller Modernität ist das gegenseitige Rollenverständnis – vor allem außerhalb der Großstädte – nach wie vor relativ archetypisch. Der gepanzerte American Football-Held steht da immer noch vollbusig ausgestatteten und dünn bekleideten „Cheerleader“-Frauen am Spielfeldrand gegenüber. In der Realität ist der Mann aber eben nicht mehr der Starke. Das herkömmliche Modell des Jägers und Sammlers wird immer mehr auf den Kopf gestellt. Trump bietet sich vor dieser Entwicklung als die Verkörperung des traditionellen Geschlechtermodells an.

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