Ein Zwischenruf zu … : …den Unfehlbaren

Ob Berlins Flughafenpanne oder die Morde an neun Einwanderern: Für Politiker und hohe Beamte scheinen Begriffe wie Versagen und Scheitern nicht zu existieren.

Barbara John

Warum ich gescheitert bin“, das erklärte kürzlich Thomas Gottschalk der Öffentlichkeit, nachdem beschlossen worden war, seine Vorabendsendung einzustellen. Ein Bekenntnis, das von Prominenten selten zu hören ist. Deshalb, Hut ab.

Noch seltener bekennen sich Politiker und hohe Beamte dazu. Für sie scheinen Begriffe wie Versagen und Scheitern nicht zu existieren, selbst wenn massive Fehler ihres Handelns oder Unterlassens mit Händen zu greifen sind. Exemplarisch dafür sind in jüngster Zeit die Berliner Flughafenpanne – die Eröffnung findet nun zehn Monate später als angekündigt statt – und, am folgenreichsten, die Ermittlungs-Katastrophen bei den Morden an neun Einwanderern und einer Polizistin. Fast neun Jahre wurde in die total falsche Richtung untersucht unter den Kommissionsdecknamen Döner-Morde, Bosporus und Halbmond. Diese Bezeichnungen waren Programm und Leitmotiv für alle Beteiligten: Polizei, Staatsanwaltschaft, Verfassungsschutz.

Als aber alle Verdächtigungen, Spekulationen und Unterstellungen in Richtung „Organisierte Ausländerkriminalität“ zu keinen Täterspuren führten, wurden die Ermittlungen eingestellt, und die Verantwortung wurde den Opferfamilien und dem „Türkenmilieu“ zugeschoben: Die wissen mehr, aber sie sagen nichts. Obwohl die gesamte Ermittlergruppe heute weiß, dass nichts preiszugeben war, weil es nichts gab, bringt sie den einen Satz, der Zerknirschung und den Willen zur Änderung ausdrückt, nicht über die Lippen: Wir haben versagt; wir müssen vieles anders machen. Auch in den zuständigen Bundesländern, im Bundeskriminalamt, in der Bundesregierung wird dazu geschwiegen.

Das Gleiche gilt für die Chefs des Flughafen-Aufsichtsrats, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und den Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. Beide halten sich für unfehlbare Kontrolleure, frei von jeder Selbstkritik, nach wie vor. Also passten sich die Kontrollierten an und lieferten, was erwartet wurde: Baufortschritte ohne Fehl. Es merkte ja keiner der Unfehlbaren.

Warum sind Eingeständnisse von Versagen in so eindeutigen Fällen wichtig? Weil öffentliche Selbstkritik der direkte Weg zur Besserung ist und Vertrauen wiederherstellen kann, wie schon der Volksmund sagt.

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