Ein Zwischenruf zur Wohnungspolitik : Roma in der Harzer Straße

09.09.2012 00:00 Uhrvon

Die Kirche betreibt erfolgreiche Integration durch ein Wohnungsbauprojekt. Und was macht die Stadt?

Berlin- Neukölln, bekannt für negative Schlagzeilen, hat nun mit einer europaweit einmaligen Vorzeigesiedlung für rumänische Roma positiv von sich reden gemacht In wenigen Tagen soll sie mit einem Bürgerfest eingeweiht werden. Kirche und Staat feiern dann zwar gemeinsam die Fertigstellung der 137 Wohnungen in der Harzer Straße, aber das war dann schon alles an Gemeinsamkeit, denn der Anteil der Stadt an dem „Leuchtturm-Projekt der Integration in der Hauptstadt“, wie es in der Einladung der Wohnungsgesellschaft heißt, war bisher gleich null. Konzept, Ausführung und Finanzierung, alles kam aus der Hand der zur katholischen Kirche gehörenden Aachener Siedlungsfirma aus Köln.

Diese Arbeitsteilung stürzt Berlin in ein Dilemma. Die Baufirma setzt mit ihrem Engagement Maßstäbe, wie arme, bildungsferne Osteuropäer, insbesondere Roma, überhaupt eine klitzekleine Chance bekommen, eines Tages in Berlin auf eigenen Füßen stehen zu können. Wäre nämlich der inzwischen legendäre Projektinitiator Benjamin Marx nicht gekommen, würden die Familien noch immer in den vermüllten, rattenverseuchten Häusern vegetieren, die der überschuldete Eigentümer schließlich den Kölnern günstig verkaufen musste. Die skandalösen Zustände waren zwar ein Ärgernis für die Stadt, aber die Räumungsdrohungen bestanden nur aus heißer Luft.

Was aber wird aus den vielen heruntergekommenen Häusern, in denen noch viele Arbeitssuchende aus Osteuropa hausen? Eifern jetzt die berlineigenen Wohnungsbaugesellschaften nach? Schaffen sie auf Anweisung des Senats bezahlbare Wohnungen mit umfassender sozialer Betreuung für Armutsmigranten? Wohl kaum. Politische Zwänge und Abwägungen hindern sie daran. Der kirchliche Wohltäter war davon frei. Zum Berliner Modell taugt deshalb der Häuserkomplex nicht. Für die 500 Männer, Frauen und Kinder aus Rumänien aber, die jetzt in der Harzer Straße leben, zeigt die Integrationsampel jetzt erst mal auf Grün. Doch das gilt nicht für weitere Zuzügler. Rumänien und andere Länder müssen eigene erfolgreiche Modelle für die soziale Gleichstellung ihrer Minderheit entwickeln. Übt die EU keinen spürbaren Druck aus, dann allerdings geht die Auswanderung weiter, speziell nach Berlin mit hohen Erwartungen.

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