Energiewende : Die Deutschen sind beratungsresistent

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist nutzlos – das aber wollen die Deutschen nicht hören. Man sollte das ganze Gesetz abschaffen. Denn andere Länder zeigen längst, dass man die Energiewende viel billiger haben kann.

von
Für den Ausstieg aus der Kernenergie müssen alle zu Opfern bereit sein, zu großen Opfern.
Für den Ausstieg aus der Kernenergie müssen alle zu Opfern bereit sein, zu großen Opfern.Foto: dpa

Das Urteil ist eindeutig und vernichtend. Die in Deutschland praktizierte Art, erneuerbare Energien zu fördern, habe weder der Innovation genützt noch sei sie kosteneffektiv. Auch zur Vermeidung von CO2 habe sie nicht beigetragen. Deshalb müsse das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abgeschafft werden – und nicht nur reformiert, wie es die Bundesregierung plant. Zu diesem Schluss kommen die vom Bundestag beauftragten Experten. Doch man darf ohne größeres Restrisiko vorhersagen, dass ihr Rat nicht befolgt werden wird. So stellt sich die Frage, wie offen deutsche Energiepolitik für Fachberatung ist.

Man könnte die Folgenlosigkeit einer unerhörten Ohrfeige noch verstehen, wenn diese Ratgeber zur Lobby für Kohle oder Kernkraft gehörten oder aus ideologischen Motiven Ökostrom ablehnen. Sie stellen den Schwenk von fossilen zu erneuerbaren Energien jedoch nicht infrage. Sie kritisieren nicht das Ob, sondern das Wie. Die Art der Förderung sei eine gigantische Geldverschwendung. 23 Milliarden Euro werden dafür inzwischen deutschen Haushalten pro Jahr entzogen.

Nur: Wer will das hören? In der Öffentlichkeit wird seit Jahren ein Narrativ verbreitet, das sich nahezu jeder Argumentationskraft widersetzt. Angeblich stehe Deutschland bei erneuerbaren Energien weltweit an der Spitze und gewinne dank der hier erforschten Techniken und seiner Vorreiterrolle einen globalen Wettbewerbsvorteil, der sich in Arbeitsplätzen und Exporterfolgen ausdrücken werde. Die Opfer, die das Land und seine Bürger derzeit in Form von weit höheren Strompreisen als anderswo erbringen, würden über kurz oder lang ökonomisch belohnt. Immer mehr Länder würden dem deutschen Beispiel folgen.

Die Realität sieht etwas anders aus. Die deutsche Solarindustrie, die ebenfalls mit beträchtlichen Subventionen aufgebaut wurde, ist nahezu tot.

Eine wachsende Zahl deutscher Bürger gilt inzwischen als „energiearm“, weil sie sich die steigenden Strompreise nicht leisten können. Und auf die Frage, welche Staaten denn zu den angeblich so vielen gehören, die das EEG kopieren, folgt Schweigen.

Man sollte die Forschung fördern, nicht die Anwendung im Alltag

Im Ausland betrachtet man die deutsche Selbststilisierung zum Vorbild einerseits mit Neugier, andererseits mit Kopfschütteln. Andere Länder zeigen, dass man die Umstellung auf Erneuerbare und die Entwicklung der Technik mit viel weniger Geldeinsatz

stimulieren kann – und ohne die dramatischen Strompreissteigerungen, die die Deutschen erleben. Der mutmaßlich folgenschwerste Fehler, der zum Kostentreibsatz wurde, war im internationalen Vergleich die Entscheidung, nicht allein die Forschung und Entwicklung zur Marktreife zu subventionieren, sondern danach auch die Anwendung im Alltag massiv zu subventionieren – mit Einspeise- und Preisgarantie für viele Jahre.

Die Kritik der Expertenkommission ist nicht neu. Sie findet keinen Widerhall, außer in den Wirtschaftsspalten mancher Zeitungen. Der Großteil der politischen Berichte über das Gutachten der Fachberater befasst sich nicht mit deren Empfehlungen, sondern der Empörung der Öko-Lobby über den Inhalt. Argumente zählen wenig, jedenfalls setzt man sich mit ihnen nicht auseinander. Die Weisheit des EEG ist in Deutschland offenbar per Definition nicht falsifizierbar.

68 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben