Energiewende : Stromrebellin will Berliner Stromnetz kaufen

Luise Neumann-Cosel ist in Schönau für ihren Beitrag zur Energiewende von unten ausgezeichnet worden. Die 27-Jährige ist Vorstand der Genossenschaft Bürger-Energie-Berlin.

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Zwei Frauen auf Wiese
Luise Neumann-Cosel mit ihrem Vorbild Ursula Sladek. Die junge Berlinerin ist mit dem Preis "Stromrebellin 2013" ausgezeichnet...Foto: EWS

Die Chefin der Bürger-Energie-Berlin (BEB) ist nun auch ganz offiziell „Stromrebellin“. Luise Neumann-Cosel ist im südbadischen Schönau mit dem gleichnamigen Preis ausgezeichnet worden. Er wird seit neun Jahren von den „Schönauer Stromrebellen“ gemeinsam mit der Kleinstadt im Südschwarzwald vergeben. Die 27-Jährige hat eine besondere Beziehung zu Michael und Ursula Sladek, deren Initiative es 1997 zu verdanken war, dass die Bürger Schönaus sich ihr Stromnetz zurückgekauft haben. Die Energiewerke Schönau verkaufen in ganz Deutschland Ökostrom. Die Sladeks sind Luise Neumann-Cosels Vorbild für ihr Projekt in Berlin. Außerdem sitzt Michael Sladek im BEB-Aufsichtsrat.

Die junge Frau, die ihr langes blondes Haar immer wuschelig nach oben gesteckt trägt, will Vattenfall das Berliner Stromnetz abjagen. 2014 läuft der Konzessionsvertrag mit dem schwedischen Staatskonzern aus. Luise Neumann-Cosel ist mit der Bürgergenossenschaft BEB als Bieterin mit dabei. Rund fünf Millionen Euro hat die Genossenschaft bisher eingesammelt, auch Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und der grüne Fraktionschef Jürgen Trittin haben Anteile gezeichnet. Doch um das Stromnetz zu kaufen, reicht dieses Geld noch nicht. Neuman-Cosel findet zwar selbst, dass ihr Plan „etwas größenwahnsinnig ist“. Aber unmöglich sei die Umsetzung eben auch nicht.

Seit 2011 arbeitet Neumann-Cosel als eine von zwei Vorständen für die Genossenschaft. Davor war sie Specherin des Anti-Atom-Netzwerks „Ausgestrahlt“ und der Anti-Castor-Initiative „X-Tausendmal-Quer“. Seit sie als 16-Jährige eine Gorleben-Demonstration besucht hatte, hat sie das Thema nicht mehr losgelassen. Bei großen Demonstrationen stand sie als Rednerin auf dem Podium: „Hallo, ich bin Luise.“ Doch nach der Katastrophe in Fukushima folgte sie Bertolt Brecht, der in der Dreigroschenoper fragte: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Anstatt weiterhin die Opposition zu organisieren, entschied sich Neumann-Cosel, die Energiewende von unten zu planen – mit dem Geld der Bürger und zu deren finanziellem Nutzen. Die Genossenschaft soll auch zu einem guten Geschäft werden. Die Renditen liegen jedenfalls über den aktuellen Sparzinsen. Darauf setzt Luise Neumann-Cosel. Und sie hofft darauf, dass die Berliner ihre Energieversorgung künftig selbst in die Hand nehmen wollen – so wie sie.

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