Europa nach der Wahl : Deutsche Union

In Europa öffnet sich eine gefährlich Kluft: Das proeuropäische Deutschland wird immer mächtiger - und entfernt sich immer weiter vom Rest der Union

Moritz Schuller
Kanzlerin Angela Merkerl.
Kanzlerin Angela Merkerl.Foto: dpa

Nur Angela Merkel ist noch übrig. Die Europawahl hat das wohlwollende Desinteresse Osteuropas an der EU bestätigt, während im Westen aus Desinteresse inzwischen aktiver Widerstand geworden ist: Der anti-europäische Front National hat den französischen Präsidenten François Hollande gedemütigt, und der britische Premier David Cameron findet weiterhin keinen Weg, sein Land mit der EU zu versöhnen. Im Vergleich zu beiden Ländern ist die Euro-kritische Kraft „Alternative für Deutschland“ nicht nur weniger radikal, sie fällt angesichts der überwältigenden europapolitischen Übereinstimmung der großen Koalition aus Merkel-CDU und Schulz-SPD auch weniger ins Gewicht.

Mit der Schwächung Hollandes bleibt von dem historischen Tandem nur noch die „Königin von Europa“ übrig, der aber zusehends das Königreich abhanden kommt. Es setzt sich die Dynamik der vergangenen Jahre fort: Der Einfluss Deutschlands auf die Politik der Union wird immer größer – wodurch sich wiederum der Widerstand in Europa gegen eine Union verstärkt, die bereits jetzt als zu deutsch wahrgenommen wird. Die Ergebnisse der Europawahlen dokumentieren dieses gefährliche Auseinanderdriften des pro-europäischen Deutschlands und eines großen Rests von Europas, in dem der Widerstand stärker wird. Klar ist aber, dass die Europäische Union als Deutsche Union keine Zukunft hat.

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