Familienrecht : Warum auch Homo-Paaren Adoptionen erlaubt werden sollten

Zwei Mütter, zwei Väter: Für Kinder ist es wichtig, in einem stabilen, verantwortungsvollen Umfeld aufzuwachsen, meint unsere Autorin. Alles andere ist Ideologie. Oder Tradition.

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Nur die Liebe zählt. Dann geht es so - oder so - oder so.
Nur die Liebe zählt. Dann geht es so - oder so - oder so.Foto: dpa

Was die Gesellschaft im Innersten zusammenhält, kann kein Staat, keine Partei und kein Markt organisieren. Es sind die vielen Selbstverständlichkeiten, die Familien füreinander tun, aus Liebe und aus Verantwortung. Einfach, weil Eltern für ihre Kinder da sind, den Alltag strukturieren, trösten, helfen und Grenzen setzen. Sie tun das Tag für Tag, denn Kinder brauchen nichts so sehr wie Verlässlichkeit und Stabilität, um sich entwickeln zu können.

Hier entstehen Bindungskräfte, hier wird das Fundament gelegt für Vertrauen, Offenheit und Konfliktfähigkeit, Erfahrungen, die ein Leben lang tragen können. Wer in der Kindheit stabile, verlässliche Beziehungen erlebt hat, ist auch in späteren Lebenskrisen nicht so leicht zu erschüttern. Auch die Chance, dass aus diesem Kind ein guter Staatsbürger wird, der arbeitet, sich kümmert und Konflikte nicht mit der Faust austrägt, ist relativ groß. Jedes einzelne Kind, das in stabilen, verantwortungsvollen Verhältnissen aufwächst, ist deshalb ein Glücksfall für den Staat.

Wer könnte ernsthaft etwas gegen Verantwortungsbereitschaft haben?

Der Staat kann nicht verhindern, dass Ehen geschieden werden und homosexuelle Partnerschaften scheitern, selbst wenn sie im Rathaus eingetragen waren. Es ist auch nicht seine Aufgabe, sich in die Erziehung einzumischen oder gar zu entscheiden, ob homo- oder heterosexuelle Eltern die besseren sind. Aber er kann und muss die rechtliche Situation von Kindern stärken und Hürden abbauen, die der häuslichen Stabilität im Weg stehen. Eine solche Hürde war es, dass homosexuelle Partner bisher das adoptierte Kind ihres Partners nicht adoptieren durften. Das Verfassungsgericht sah darin eine Ungleichbehandlung gegenüber Ehepaaren, denen das schon lange erlaubt ist. Gut, dass sich der Justizminister jetzt an die Veränderung dieser Paragrafen gemacht hat.

Von der neuen Regelung sollen ja nicht alle schwulen und lesbischen Paare profitieren. Sondern nur die eingetragenen Partnerschaften. Also diejenigen, die bewiesen haben, dass es ihnen ernst miteinander ist, die einstehen wollen für den anderen und eben auch für dessen Kind. Wer könnte ernsthaft etwas gegen so viel Verantwortungsbereitschaft haben?

Die politische Debatte muss weitergehen

Das Kind profitiert davon auf ganzer Linie. Wenn beide Partner das Kind adoptieren, sind auch beide unterhaltspflichtig. Bei einer Trennung kann sich keiner einfach davonmachen. Stirbt der eine, hat der andere die Sicherheit, dass er zum Vormund bestellt wird. Das Kind muss nicht fürchten, in eine fremde Familie zu kommen. Adoptivkinder haben oft schon einen großen Bruch im Leben hinter sich. Für sie ist die gesetzliche Sicherheit mindestens genauso wichtig wie für leibliche Kinder.

Die politische Debatte wird weitergehen. Sie muss weitergehen. Denn folgerichtig wäre, homosexuellen Paaren generell die Adoption von Kindern zu erlauben. Viele Ehepaare haben erlebt, wie schwierig und langwierig eine Adoption sein kann. Viele scheitern an den hohen Maßstäben, die der Staat dabei anlegt. Für homosexuelle Paare würden natürlich dieselben Maßstäbe gelten. Denn sie sollen ermöglichen, dass das Kind in ein stabiles, verantwortungsvolles Umfeld kommt. Und darauf, vor allem darauf, kommt es an. Alles andere ist Ideologie. Oder Tradition.

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