Flughafen Tegel : Absturz nach Landung

Ein größeres und wichtigeres Projekt als die Neuordnung der Berliner Flughafenlandschaft hat die Stadt seit mehr als zwanzig Jahren nicht gesehen, findet Lorenz Maroldt. Umso verwunderlicher, dass der Senat sich verblüffend wenig darum kümmert.

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Ohne geeignetes Nachnutzungskonzept sieht die Zukunft des Flughafenareals in Tegel düster aus.
Ohne geeignetes Nachnutzungskonzept sieht die Zukunft des Flughafenareals in Tegel düster aus.Foto: dpa

Die Neuordnung der Berliner Flughafenlandschaft ist das größte und wichtigste Projekt der Stadt seit ihrer Vereinigung vor mehr als zwanzig Jahren. Die künftige Verwendung des bald geräumten Geländes in Tegel spielt dabei eine zentrale Rolle, der Senat hat das Areal pathetisch zum "Zukunftsort" erklärt. Im Koalitionsvertrag wird diese Zukunft unter den Kapiteln "Kraftvolles Berlin" und "Pulsierendes Berlin" beschlossen und verkündet: Neue Technologien, wissenschaftliches Leben, wirtschaftliches Wachstum, regenerative Energien! Cluster, Kompetenz, Strategie!

So sieht es aus, das Feuerwerk politischer Science Fiction. Die Gegenwart ist ärmer, in jeder Hinsicht. Um diesen Zukunftsort kümmern sich, kraftvoll und pulsierend, vier einsame Mitarbeiter der "Tegel Projekt GmbH", untergebracht in einem Büro gegenüber der Flughafentankstelle. Dass Tegel dieses Jahr geschlossen wird, steht seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts fest - das war 2006; gegründet wurde die Gesellschaft vor fünf Monaten.

Der Flughafen Tegel
Nach einem Gerichtsurteil muss das Land Berlin das Flughafen-Grundstück in Tegel für die spätere Nutzung wohl vom Bund zurückkaufen.Weitere Bilder anzeigen
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05.01.2011 12:16Nach einem Gerichtsurteil muss das Land Berlin das Flughafen-Grundstück in Tegel für die spätere Nutzung wohl vom Bund...

Zwei Millionen Euro stellt der Senat pro Jahr für die Zukunft Tegels zur Verfügung; das ist weniger als die Hälfte der Kosten, die für den Unterhalt und die Bewachung der leerstehenden Gebäude fällig werden. Eine größere Ausgabe, etwa vierzig Millionen Euro, hat der Senat für die Zeit nach 2017 geplant; das ist weniger als die Hälfte der Kosten für den notwendigen Umbau des Terminals. Der Bebauungsplan für das alte Rollfeld wird 2014 fertig sein, zwei Jahre nach dem Ende, acht Jahre nach dem Beschluss. Aber schon im September 2012 steigt ein schönes Bürgerfest auf dem Gelände, mit Currywurst und Chinapfanne.

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