Frankreichs Grünen-Chefin Cécile Duflot : "Cohn-Bendit ist ein knurriger Schlumpf"

Während Daniel Cohn-Bendit seinen Rückzug aus der französischen Politik ankündigte, hat die vierfache Mutter Cécile Duflot beim Parteivolk endgültig ihre Durchsetzungsfähigkeit unter Beweis gestellt.

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Cécile Duflot (r.) hat ihren einstigen Förderer, Daniel Cohn-Bendit, endgültig überflügelt.
Cécile Duflot (r.) hat ihren einstigen Förderer, Daniel Cohn-Bendit, endgültig überflügelt.Foto: REUTERS

Ihren einstigen Förderer, Daniel Cohn-Bendit, hat sie am vergangenen Wochenende endgültig überflügelt. Bei einer internen Abstimmung sprachen sich da über 50 Prozent der Anhänger von Frankreichs Grünen für das Programm von Cécile Duflot aus, während Cohn-Bendit mit seinem Vorschlag gerade mal auf 26,5 Prozent der Stimmen kam. Cécile Duflot konnte das Abstimmungsergebnis als einen weiteren Schritt bei ihrem Aufstieg bei den Grünen verbuchen. Seit viereinhalb Jahren führt sie die Ökopartei im Nachbarland; seither ist es ihr gelungen, die Bewegung, die sich inzwischen „Europe Ecologie – Les Verts“ nennt, hinter sich zu scharen. Ihre Wiederwahl beim Parteikongress an diesem Samstag in La Rochelle gilt als Formsache.

Während Cohn-Bendit nach der Niederlage seinen Rückzug aus der französischen Politik ankündigte, hat die vierfache Mutter Cécile Duflot beim Parteivolk erneut ihre Durchsetzungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Als die Tochter eines Eisenbahners und einer Lehrerin Ende 2006 zum ersten Mal an die Spitze der französischen Grünen gewählt wurde, nahm zunächst kaum jemand außerhalb des Pariser Politzirkels Notiz von der Absolventin der renommierten Wirtschaftshochschule ESSEC.

Doch das änderte sich spätestens, als sie knapp zwei Jahre später mit Cohn-Bendit das Parteienbündnis „Europe Ecologie“ gründete und bei den anschließenden Europawahlen im Juni 2009 die Partei für neue Wählerschichten außerhalb der Umweltbewegung erschloss. Ihren endgültigen Durchbruch erzielte Duflot, als es der Partei unter ihrer Führung gelang, bei der Regionalwahl im März des vergangenen Jahres 12,5 Prozent der Stimmen einzuheimsen – für französische Verhältnisse ein sensationelles Ergebnis.

Bei ihrer Mission, die schillernde Bewegung der französischen Grünen zusammenzuhalten, ist Duflot ein disziplinierter Politikstil zugute gekommen. Kritiker werfen ihr aber auch vor, bei der Konfrontation mit dem politischen Gegner allzu oft in eine Belehrungsattitüde zu verfallen. Nachdem der innerparteiliche Wettstreit mit Cohn-Bendit zu ihren Gunsten ausgefallen ist, fühlt sich die 36-Jährige zunächst nicht zu Höherem berufen. Für eine Kandidatur bei den Grünen laufen sich vor der Präsidentschaftswahl 2012 Erfahrenere warm – die Europaabgeordnete Eva Joly und der Fernsehmoderator Nicolas Hulot. Aber Duflots Politkarriere hat ja gerade erst begonnen.

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