Frankreichs Wahlmonarch : Kriege führen, Mätressen haben

Einst der König, heute der Staatspräsident - Ehefrau und Mätresse sind politische Rollen, nicht nur in Frankreich. Doch der Fall Trierweiler-Hollande zeigt: Berufstätige Frauen behandelt das System schlechter als früher die Pompadour.

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Da waren sie noch ein Paar. Oder waren sie es nie?
Da waren sie noch ein Paar. Oder waren sie es nie?Foto: dpa

C’est fini. In der vergangenen Woche hat Frankreichs Première Dame, die erste, die dafür keinen Trauschein hatte, den Präsidentenpalast in Paris nach nicht einmal zwei Jahren schon wieder verlassen. „Fini“, beendet, ist damit nicht nur eine Liebe, sondern wohl auch ein soziales Experiment, das sich nicht für rein französisch halten lässt.

Auch wenn er, zugegeben, wenig aussagekräftig für die klein- oder großbürgerlichen Verhältnisse von Normalverbraucherinnen und -verbrauchern ist, haben in diesem Fall Beruf und Familie krachend ihre Unvereinbarkeit bewiesen. Eine Frau, die stolz darauf war, ihren eigenen Beruf zu haben und daher keine Versorgungsehe zu brauchen, verlässt das Zentrum der Macht abrupt und durch den Hintereingang – was noch keine ihrer verheirateten Vorgängerinnen musste.

Trierweiler - noch dichter am Nichts als eine, deren Beruf ihr Mann ist

„Ich gebe bekannt, dass ich das gemeinsame Leben mit Valérie Trierweiler beendet habe“ – mag sein, dass sie selbst es war, die diesen einseitigen Schluss provozierte, weil sie zu einer einvernehmlichen Erklärung mit dem Staatspräsidenten und früheren Freund Hollande nicht bereit war. Aber eine altorientalische oder saudische Verstoßung klingt jedenfalls nicht viel hässlicher. Dass die derart Abservierte nur mit einem Tweet reagierte, in dem sie dem „außergewöhnlichen Personal“ des Elysée-Palasts dankte, passt zum Aschenputtel-Plot.

Die Story liest sich, als sei eine wie Trierweiler, Frau mit Beruf und, bis dato, auf eigenen Beinen, noch dichter am Nichts als eine, deren Beruf ihr Mann ist. Jedenfalls dann, wenn sie sich in eine Rolle einzufädeln sucht, die deutlich älter ist als die Liebesehe, die ja erst vor etwa 250 Jahren erfunden wurde, aber dann noch ordentlich Zeit ins wirkliche Leben brauchte. Die „Frau an seiner Seite“ braucht Absicherungen, die mehr aushalten als das flüchtige Gefühl. Sie braucht Status. Die Ehefrau ist im Präsidialsystem, das seine Herkunft aus dem französischen Absolutismus schwer verleugnen kann, in der Rolle der Königin.

Auch die „Titularmätresse“ hat darin einen politisch bedeutenden Platz. Doch wenn es zwei davon gibt wie jetzt, die neue und die alte, hat die das größere Recht, die dem Herzen des Königs näher steht. Nur die Beziehung zu ihm verschafft ihr den Platz im „Damenflügel“ des Palasts, wo sie sich, wenn die angeheiratete Königin fehlt, selbst eine Zeitlang als Königin fühlen darf. Ist die Beziehung zu Ende, ist es damit aus.

Bürgerliches Doppelkonkubinat denkbar schlecht gemanagt

Auch wenn man sich um Trierweiler, die verstoßene Favoritin, sicher wenig Sorgen machen muss, wie sie selbst jetzt betonte: Eine EU-Bürgerin im 21. Jahrhundert in der Situation zu sehen, die rechtlich hinter die der Pompadour zurückfällt, ist nicht richtig schön. Die Deutschen sollten nicht witzeln: Unser Präsident ist zwar verheiratet, aber nicht mit der „Frau an seiner Seite“. Die wiederum, Daniela Schadt, ist zufällig auch Journalistin. Alles noch ein bisschen komplizierter. Hoffen wir auf die weniger dramatische deutsche Tradition; hier wurde das Amt von Papa Heuss geprägt, nicht von Ludwig XIV.

Aber da das Patriarchat ja auch für den Mann nicht immer gut ist, lohnt hier ein Blick auf ihn. François Hollande, der ein „normaler Präsident“ werden wollte, ist es womöglich in einem ganz anderen Sinne geworden als beabsichtigt: ein ganz normaler Wahlmonarch, der wie alle seine Vorgänger Kriege führt und eine Mätresse hat. Beides, weil’s das Amt verlangt? Wer François Hollande ins stets etwas gequälte Gesicht schaut, ahnt, dass beides nicht nach seinem Geschmack ist, dass auch er an einem Rollenproblem kaut. Das System ist einfach stärker als die besten Absichten.

Während über die Weisheit seiner Einsätze in Mali und in der Zentralafrikanischen Republik hier noch kein letztes Wort gesprochen werden soll, lässt sich doch schon sagen: Sein bürgerliches Doppelkonkubinat hat er denkbar schlecht gemanagt. Es ließe sich daher über einen Systemwechsel nachdenken: Mit dem Prinzip der politischen Ehe – wähle einen, erhalte zwei – sollte endlich Schluss sein. Best-Practice-Beispiele gibt’s: Professor Sauer, der Mann an Merkels Seite, hat den Damenflügel gar nicht erst bezogen, ja strikt gemieden. Natürlich hat er es besser, er ist Mann einer mächtigen Frau. In der Ehe mit einem weißen Raben lässt’s sich leichter selbst einer sein.

Zum Schluss endlich Dank – an das Klatschmagazin „Closer“, das die Zweitliaison des französischen Präsidenten fotodokumentiert und uns die Antiquiertheit des monarchisch-patriarchalischen Modells so deutlich vor Augen geführt hat. Merci beaucoup, gerade auch von diesseits des Rheins!

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