• Freiburger Uni-Rektor Schiewer unter Druck: „Heidegger und Husserl bleiben in Freiburg“

Freiburger Uni-Rektor Schiewer unter Druck : „Heidegger und Husserl bleiben in Freiburg“

An der Universität Freiburg soll der traditionsreiche Heidegger-Lehrstuhl nur noch mit einer Juniorprofessur besetzt werden. Das setzt Rektor Hans-Jochen Schiewer unter Rechtfertigungsdruck.

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Der Präsident der Universität Freiburg, Hans-Jochen Schiewer.
Kann Kritik nicht nachvollziehen: Der Präsident der Universität Freiburg, Hans-Jochen Schiewer.Foto: dpa

Rettet die Phänomenologie und die Hermeneutik in Freiburg“, appelliert eine Online-Petition. Die Professur an der Universität Freiburg, die diesen für die Philosophie durchaus zentralen Gebieten gewidmet ist, hatten einst Martin Heidegger und vor ihm Edmund Husserl inne. Dass sie nach dem Willen des Freiburger Rektors Hans-Jochen Schiewer nun umgewidmet und „nur noch“ mit einem Juniorprofessor besetzt werden soll, hat bisher 3000 Menschen zum digitalen Protest bewegt, darunter Gegenwartsphilosophen wie Judith Butler, Dieter Henrich und Rüdiger Safranski. Letzterer wirft Schiewer im Interview mit der „Süddeutschen“ nun „Geschichtsvergessenheit“ und „fehlenden Stil im Umgang mit philosophischen Traditionen“ vor. Es zeichne „beschränkte Köpfe“ aus, „dass sie das Richtige am falschen Ort tun“.

Tatsächlich argumentieren Schiewer und seine Kritiker scheinbar in Paralleluniversen. Der Rektor, von Haus aus an der Freien Universität Berlin sozialisierter Germanist und Mediävist, gibt sich ganz als Wissenschaftsmanager: Derzeit sei es geboten, Nachwuchswissenschaftlern attraktive Karrierewege zu eröffnen, deshalb die Juniorprofessur. Und Husserl und Heidegger? Denen sei auch ein Junior gewachsen, sagt Schiewer. Ohnehin blieben die beiden Granden „zentrale Bezugsgrößen der Freiburger Philosophie“. Schiewers Kritiker haben grundsätzlich nichts gegen Nachwuchsförderung. Wohl aber fürchten sie die „Zerstörung einer der größten Stärken in der geisteswissenschaftlichen Forschung“.

Im Hintergrund stehen auch neue Belege für Heideggers Antisemitismus

Kontroversen begleiteten Schiewers Amtsführung von Anfang an: Seine Wahl 2008 verlief holprig, bei der Wiederwahl vor einem Jahr trat ein Vizerektor gegen ihn an. 2012 gab es ein Abwahlbegehren, weil er für den Verlust des Freiburger Elitetitels verantwortlich gemacht wurde. Und immer noch nicht ausgestanden ist der Freiburger Doping-Skandal.

Der Disput um die Heidegger- Professur hat unangenehme historische Hintergründe: Heideggers 2014 erschienene „Schwarze Hefte“ belegen auf eklatante Weise dessen Antisemitismus. Der bisherige Inhaber der Professur, Günter Figal, ist deshalb vom Vorsitz der Heidegger-Gesellschaft zurückgetreten. Andererseits will er eine von der Uni nicht gewollte Verlängerung seiner Professur über die anstehende Pensionierung hinaus einklagen. Indes weist Schiewer den Vorwurf zurück, er wolle sich der Stelle Heideggers durch die Umwidmung mehr oder weniger elegant entledigen.

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