Gauck und Sotschi : Hört die Signale

Diplomatie lebt von Signalen, nicht von begründeten Protestakten. In dieser Tradition steht auch Bundespräsident Joachim Gauck. Das werden jene beklagen, die den angekündigten Besuchsverzicht bei den Olympischen Spielen in Sotschi gerne mit der Situation der Menschenrechte in Russland begründet sähen. Stattdessen lässt der Präsident Raum für Auslegungen – weil er nicht anders kann. Jeder darf sich seinen Teil denken nach Gaucks früherer Kritik an Zar Putins Umgang mit Minderheiten und Andersdenkenden. Aber einen offenen Schlagabtausch zum Schaden der Bundesrepublik darf sich Deutschlands höchster Repräsentant nicht erlauben. Jeder weiß freilich, dass Kanada nicht Russland ist und der Verweis hinkt, dass sein Vorgänger Horst Köhler 2010 auch nicht zu den Winterspielen nach Vancouver reiste. Der politische Konstruktionsfehler aber war mit der Vergabe angelegt. Schon da war klar, dass die Spiele Putin nicht zum lupenreinen Demokraten wandeln würden. Um- so mehr kommt es auf die Sportler und Fans aus aller Welt an, sich nicht einschränken zu lassen, sondern in Sotschi ganz selbstverständlich Weltoffenheit und Liberalität zu demonstrieren. gn

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