Geld und Sünde : Die Kirche und die Weltlichkeit der Welt

Ein Kardinal aus dem Vatikan verurteilt das "Festklammern am Geld". Er weiß, wovon er redet, meint Helmut Schümann. Denn auch im Namen der Kirche wird viel Geld angehäuft - mit teilweise sehr weltlichen Auswüchsen.

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Die Kirche müsse sich "von der Weltlichkeit der Welt lösen", so Papst Benedikt.
Die Kirche müsse sich "von der Weltlichkeit der Welt lösen", so Papst Benedikt.Foto: dpa

Wenn der Blinde von der Farbe spricht, ist das naturgemäß sehr theoretisch. Ebenso theoretisch, wie etwaige Einlassungen des Papstes oder anderer Kirchenmänner zur Verhütung. Sie wissen eben nicht, wovon sie reden (zumindest in der reinen Lehre, aber das ist ein anderes Thema). Anders verhält es sich mit der jüngsten Äußerung des im Vatikan für Sozialfragen zuständigen Kardinals Robert Sarah. Der hat gesagt, dass Festklammern am Geld eine Sünde sei. Er weiß, wovon er redet, denn wenn jemand an seinen Reichtümern und Privilegien festhält, dann ist es der Vatikan. Die Privilegien und die Vorteilsnahme erreichen fast schon, sagen wir es satirisch, wulffsche Ausmaße. Es ist aber auch zu einfach und zu verlockend. Baut der Vatikan irgendwo ein Hotel, zum Beispiel, dann ist er gut beraten, in irgendein Eckchen eine Kapelle einzubauen, schon ist er von der Grundsteuer befreit. So ein Herrgottswinkel beruhigt ungemein, einmal das christliche Gebot zur inneren Einkehr, zum anderen den Finanzhaushalt. Und eine Sünde ist es auch nicht, weil der Hotelbesitzer ja nicht am Geld festklammert, sondern es nur nicht hergibt.

Auch sagte der kluge Kardinal, „Korruption, Anhäufung von Geld, Gewalt und Leben auf Kosten der Gemeinschaft ohne einen eigenen Beitrag sind die wahren Krebsgeschwüre, die die Gesellschaft von innen bedrohen“. Bei Lichte und historisch betrachtet findet sich das alles in der Geschichte der katholischen Kirche, sogar im Übermaß. Deckt sich aber ungefähr mit der jüngsten Äußerung von Papst Benedikt, wonach sich die „Kirche von der Weltlichkeit der Welt“ lösen müsse. Etwa durch Enteignung von Kirchengütern oder durch Streichung von Privilegien. Wohlan.

Von der Weltlichkeit der Welt ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Weltbild. Dem Buchhandelshaus nämlich, das im Besitz der deutschen Bischöfe ist, 6400 Mitarbeiter beschäftigt und 1,6 Milliarden Jahresumsatz macht. Unter anderem auch mit Werken wie „Schlechter Sex“, „Die kleine Kielsau“ oder „Aktenkoffer und Seidenstrümpfe“. Elaborate, die in der weltlichen Welt auch unter dem Sammelbegriff Schweinkram firmieren. Es ist nur verständlich, dass sich die Kirche von dieser Weltlichkeit der Welt lösen und wieder auf den Pfad der Tugend zurückkehren möchte. Andererseits sind da all die Arbeitsplätze und der schöne Umsatz. An dem wirklich niemand festklammern will, nur auch nicht hergeben. 1990 lief in den Kinos ein Film: „Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein.“ Tja.

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