Genome Editing umgeht Gentechnik-Gesetz : Natürliche Gentechnik

Ein Anbauverbot für gentechnisch veränderte Pflanzen ist Unsinn. Denn gentechnisch und von der Natur veränderte Organismen sind aufgrund neuer Techniken nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Ein Kommentar.

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Im menschlichen Darmbakterium Escherichia coli stießen Forscher schon Ende der 1980er Jahre auf einen natürlichen Prozess, der es ihnen heute erlaubt, jedes Erbgut zu verändern, ohne Spuren zu hinterlassen.
Im menschlichen Darmbakterium Escherichia coli stießen Forscher schon Ende der 1980er Jahre auf einen natürlichen Prozess, der es...Foto: Imago

Die Bundesregierung will für ein EU-Gesetz stimmen, das ein nationales Anbauverbot für gentechnisch veränderte Pflanzen möglich macht. Das bringe endlich „Frieden auf den Feldern“, sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Umweltministerium und einst Chef des Naturschutzbundes, kürzlich in einem Interview. Das ist ideologische Augenwischerei.

Statt grobem Gentransfer, präzise Genomchirurgie

Denn was soll das heißen – „gentechnikfrei“? Längst sind die Grenzen fließend zwischen Erbgutveränderungen, die mit gentechnischen Werkzeugen herbeigeführt werden, und solchen, die durch natürliche Ereignisse zustande kommen. Neue Techniken, „Genome Editing“ genannt, bauen das Erbgut so um, dass eine Veränderung mitunter nicht mehr von einer natürlich entstandenen Mutation zu unterscheiden ist. Wie also wollen Gesetzgeber in Zukunft kontrollieren, was gentechnisch und was „natürlich“ ist, wenn nicht einmal Gentests diese Unterscheidung leisten können? Gene blinken nicht rot, wenn sie gentechnisch manipuliert wurden, und auch nicht grün, nur weil die Gentechniken von Mutter Natur am Werk waren.

Der Europäischen Kommission liegt eine Anfrage vor, ob derartig veränderte Pflanzen überhaupt als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) im Sinne der Gentechnik-Regulierung gelten oder nicht. Die Antwort steht aus. Das deutsche Gentechnikgesetz bezeichnet Veränderungen innerhalb des Genpools einer Art (dort „Selbstklonierung“ genannt) ausdrücklich nicht als gentechnische Verfahren. Eine Ausnahme, die juristisch schon deshalb nötig ist, weil sonst jede neue Zuchtsorte, ja jede Pflanze mit einer zufälligen, natürlich entstandenen Mutation ein GVO wäre. Für den stellvertretenden Vorsitzenden des Nationalen Ethikrates, den Juristen Jochen Taupitz, stellt sich die Frage, „warum eine Tätigkeit überhaupt verboten werden sollte, wenn das Ergebnis genauso ungefährlich ist wie das Ergebnis, das die Natur auf natürlichem Wege erzielt hat“. Auch die Kennzeichnung solcher Organismen sei „nicht sinnvoll“.

Gentechnikfreie Kartoffel als Stärkequelle

In den USA nutzen Firmen die neuen Techniken bereits, um Pflanzensorten zu entwickeln, die nicht als GVO gelten und auch nicht als solche reguliert oder gekennzeichnet werden müssen. Scotts Miracle-Gro hat eine Rasensorte entwickelt, die seltener gemäht werden muss, grüner und resistent gegen den Unkrautvernichter Round-up ist. Die kalifornische Firma Cibus verkauft Raps, der mit einer Technik verändert wurde, die nur das natürlicherweise vorhandene Genmaterial der Pflanze nutzte. Beide Produkte fallen in den USA nicht unter die Gentechnikregulierungen.