George Soros : „Es wird Aufruhr in den Straßen geben“

Er hat einst gegen die britische Regierung gewettet - und gewonnen. Es wäre besser, dem Spekulanten Georges Soros diesmal besser zuzuhören. Er unterstützt die Occupy-Bewegung im Kampf gegen die Exzesse der Finanzindustrie. Ein Porträt.

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Wer hört schon einem Spekulanten zu? Der berühmteste von ihnen, George Soros, meldet sich gerade lautstark mit einem Buch zu Wort. Aber wer will sich ausgerechnet von einem Hedge-Fonds-Manager die Welt erklären lassen?

Was ihn interessant macht, sind seine unerwarteten Antworten. Er unterstützt die Occupy-Bewegung im Kampf gegen die Exzesse der Finanzindustrie und sagt jetzt gegenüber „Newsweek“ voraus, es werde „Aufruhr in den Straßen Amerikas“ geben, wenn die Krise nicht bewältigt werde. Er fordert eine Regulierung der Banken. Schließlich haben es die Regierungen bis heute nicht geschafft, die Großbanken zu zwingen, ihr Investmentbanking abzutrennen, um das normale Bankgeschäft vor Risiken zu schützen.

Soros hält nichts von dem Dogma der Wirtschaftswissenschaften, dass Marktteilnehmer rational handeln. Eine große Forderung, die er in seinem Buch „Financial Turmoil in Europe and the United States“ aufstellt, lautet, dass Europa die Schuldenkrise sehr viel offensiver angehen soll. Soros wendet sich, auch jetzt in seiner Rede in Davos, gegen die konservative deutsche Haltung, die sich gegen eine Ausweitung der finanziellen Garantien stemmt und die anderen zum Sparen zwingt. Das führe in eine deflationäre Falle.

George Soros, ein linksradikaler Spekulant? Als einen solchen denunziert ihn die Rechte, seit er den republikanischen Ex-Präsidenten George W. Bush heftig kritisierte. Soros steht immer ein bisschen in dem Verdacht, mit seinen öffentlichen Voraussagen Geld verdienen zu wollen. Wer seine Anlagetipps beherzigt, sollte nicht ausschließen, dass er, Soros, als profitierender Gegenspieler auftritt. Andererseits hat er als Philanthrop viele humanitäre Projekte unterstützt.

Der Spekulant, so lautet eine Theorie, ist der einzige Mensch auf der Welt, dem die Wahrheit gnadenlos ins Gesicht schaut. Wenn er gegen eine Währung, ein Land oder ein Unternehmen wettet, und verliert, dann kann er niemandem die Schuld geben. Sein Kontostand setzt ihn der Wahrheit aus. Wer mit Spekulation so reich geworden ist wie Soros, muss ziemlich oft mit seinen Einschätzungen richtig gelegen haben. Wie damals, 1992, als er allein gegen das britische Pfund wettete und das Mutterland des Kapitalismus in die Knie zwang und demütigte. Kennt er die Wahrheit besser als Regierungen und Banken? Vielleicht lohnt es sich, ihm diesmal zuzuhören.

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