Gouverneurswahl in New Jersey : Die Passion Chris Christies

Der moderate Republikaner Chris Christie gewinnt haushoch das einstige Demokraten-Ländle New Jersey. Das lässt sowohl die Demokraten wie auch rechte Hardliner bei den Republikanern zittern - und Christie schon auf eine Präsidentschaftskandidatur hoffen. Beinahe.

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Gouverneur Christie nach der Wahl: Chance auf das höchste US-Amt?
Gouverneur Christie nach der Wahl: Chance auf das höchste US-Amt?Foto: AFP

Ist er der nächste US-Präsident? Der triumphale Erfolg bei der Gouverneurswahl in New Jersey katapultiert Chris Christie jedenfalls an die Spitze der republikanischen Bewerber für 2016. Mit 60,5 zu 38 Prozent deklassierte der Gouverneur am Dienstag seine demokratische Herausforderin Barbara Buono – in einem Ostküstenstaat, in dem generell die Demokraten die Oberhand haben: Im Wählerverzeichnis haben sie einen Vorsprung von 700.000 Bürgern, die sich zu ihnen bekennen, vor den Republikanern. Doch für Christie, einen hemdsärmeligen Pragmatiker mit losem Mundwerk, stimmten viele Frauen, Latinos und Jungwähler, die sonst eher bei den Demokraten zu finden sind.

Christie hält wenig von ideologischen Bekenntnissen. Oft schert er aus der Parteidisziplin aus. Als Hurrikan „Sandy“ vor einem Jahr die nördliche Atlantikküste zerstörte, sah man im Fernsehen, wie Christie in bester Eintracht mit Barack Obama Schäden begutachtete und Aufbauhilfe besprach. So kurz vor der Präsidentschaftswahl ärgerte das viele Republikaner. In Kombination mit anderen Resultaten vom Dienstag entfaltet sein hoher Sieg strategische Bedeutung für die Republikaner.

In Virginia, wo die beiden Parteien seit Jahren Kopf an Kopf liegen, verlor Ken Cuccinelli, Vertreter des rechten Flügels, klar gegen den Demokraten Terry McAuliffe. Bei der republikanischen Kandidatenaufstellung für die Kongresswahl in Alabama unterlag Tea-Party-Kandidat Dean Young dem moderateren Vertreter des Wirtschaftsflügels, Bradley Byrne. Auch bei der Bürgermeisterwahl in New York verloren die Republikaner erstmals seit 20 Jahren. Generell hat die von der Tea Party erzwungene Blockadepolitik bei Budget und Gesundheitsreform dem Ansehen der Republikaner schwer geschadet.

Die Sammelbotschaft dieser Ereignisse: In den Augen der Wähler geht Pragmatismus vor Ideologie. Moderate Republikaner können Wahlen gewinnen, Vertreter des rechten Flügels tun sich schwer. Christie muss nun beim Griff nach der Präsidentschaftskandidatur zwei Hindernisse überwinden. Bei der Aufstellung hat die Parteibasis entscheidenden Einfluss; sie steht weiter rechts als die Gesamtwählerschaft. Christie muss auch die Konservativen überzeugen, dass er der Richtige ist.

Und: Sein Übergewicht ist ein gesundheitliches Risiko angesichts der physischen Belastung eines Präsidentschaftswahlkampfs. Kann Christie seine Lust am Essen zügeln? Für viele Amerikaner ist das zugleich ein Test, ob er die Disziplin hat, die sie von einem Präsidenten erwarten.

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