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Grüne Wechselspiele : Joachim Gauck lässt Union und Grüne im Bund zusammenrücken

21.02.2012 12:30 Uhrvon
Unvermutete schwarz-grüne Eintracht durch einen Präsidenten Gauck? Vorerst bleibt diese Vision eine Fotomontage, im Originalfoto saß Sigmar Gabriel an Trittins Stelle. Montage: dapd/dpaBild vergrößern
Unvermutete schwarz-grüne Eintracht durch einen Präsidenten Gauck? Vorerst bleibt diese Vision eine Fotomontage, im Originalfoto saß Sigmar Gabriel an Trittins Stelle. - Montage: dapd/dpa

Angela Merkel nahm den Vorschlag von Jürgen Trittin an: Joachim Gauck. Darum ist Schwarz-Grün keine Utopie mehr, sondern höchst realpolitisch - und für die Kanzlerin die nächstliegende Koalitionsoption.

Und nun freuen sie sich, die Grünen, loben ihn über den grünen Klee. Joachim Gauck, ist er nicht einer der Ihren? Zumindestens ideell, wenn schon nicht als Mitglied der Partei? Richtig ist: Gauck ist Nonkonformist. Gauck ist in jedem Fall anders. Gauck ist einer, dem seine Umwelt nicht einerlei ist. Und Gauck ist konservativ. Sind das nicht auch die Grünen?

Bei genauerer Betrachtung lautet die Antwort: Ja. Die Grünen sind auch immer konservativer geworden mit den Jahren, haben immer mehr konservative Anteile in der Mitgliedschaft.

Man schaue auf ihre Haltungen, auf die Abstimmungen in den Parlamenten, auf ihre erfolgreichsten Wahlkämpfer. Das korrespondiert im übertragenen Sinn mit Gaucks Lebensalter; auch die Grünen, die führenden, sind älter geworden. Joachim Gauck ist Jürgen Trittins Idee gewesen, ursprünglich. Er wird wissen, warum: Mit ihm, mit Gauck, als Kandidaten ließ sich so schön die Chefin der (vormals) konservativen Partei CDU ärgern – einer vom ihrem Fleische, gewissermaßen. Und es hat sie ja auch geärgert.

Jetzt ist der Ärger vorüber, Angela Merkel hat ihn vorüberziehen lassen. Die Grünen haben ihren Bundespräsidenten. Dass sie sich noch wundern werden, ist eine Vermutung. Gewissheit ist: Über die Grünen muss sich keiner wundern. Wie sie einmal waren, sind jetzt andere. Die anderen haben ihre Inhalte gekapert. Die Grünen sind jetzt so – was das Tagesgeschäft und die Finten und die Taktik angeht – wie die anderen, denen sie ihr Verhalten früher immer vorgeworfen haben.

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Wer heute ihre Leute reden hört, wer ihre führenden Frauen und Männer politische Konzepte erläutern hört, der hört keine Fundis, keine Radikalökologen, Ökosozialisten, Ökolibertären, keine Pazifisten und erst recht keine Ex- KBWler. Selbst „Regierungslinke“ als die höchst gemäßigte Variante des Linken sind heute kaum mehr richtig auszumachen.

Nicht, dass das schlecht wäre. Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Menschen, kein Mensch badet im selben Flusse zwei Mal. Es ist nur so, dass die Grünen dennoch weiter falsch firmieren: als linke Partei. So wie die CDU keine rechte Partei mehr ist. Nein, da wo viele Wähler der Grünen wohnen, wohnen sie jetzt selbst. Sie sind gut situiert, sind weit etabliert. Wertkonservatismus prägt inzwischen jede Partei, in Teilen sogar die Linke. Darum ist Schwarz-Grün keine Utopie, sondern höchst realpolitisch und für die Kanzlerin die nächstliegende Koalitionsoption. Und kein Trittin, keine Renate Künast, kein Cem Özdemir, keine Claudia Roth wird dann, wenn Merkel ernst machte, widerstehen.

Warum auch? So wie Gauck Sozialdemokrat vor allem wegen Helmut Schmidt geworden wäre – und der ist nicht wenig konservativ –, so sind viele in Ablehnung der alten Christdemokraten Grüne geworden. Oder haben in Ablehnung ihrer Alten grün gewählt.

Gaucks Wahl ist also nicht nur in einem Sinn als Paradigmenwechsel zu verstehen.

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