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Harald Martenstein : Die FDP soll sich auch selbst um ihre "Anschlussverwendung" kümmern

01.04.2012 18:42 Uhrvon
Die FDP sitzt in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr im saarländischen Landtag. Foto: ReutersBild vergrößern
Die FDP sitzt in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr im saarländischen Landtag. - Foto: Reuters

Philipp Rösler rät den Schlecker-Frauen, sich selbst um ihr Zukunft zu kümmern. "Wie herzlos!" schimpfen viele. Harald Martenstein fragt sich, ob nicht etwas anderes den Aussetzer des FDP-Chefs bewirkt hat.

Der kleine Herr Rösler von der FDP hat gesagt, dass sich die gekündigten Schlecker-Mitarbeiterinnen selbst um eine sogenannte „Anschlussverwendung“ kümmern sollen. Staatliche Sonderhilfen für diese Arbeitslosen, etwa in Form einer Bürgschaft, kämen nicht infrage, es sei denn, sie haben rechtzeitig eine Großbank erworben oder sie sind zufällig pleite und Mitglied der EU. Das nicht sehr human klingende Wort „Anschlussverwendung“ hat erwartungsgemäß zu einer Empörungswoge geführt, es ist schon jetzt Favorit für das nächste „Unwort des Jahres“. Auch fragen viele nach möglichen Anschlussverwendungen für den Herrn Rösler, denn seiner Partei geht es ja zur Zeit nicht wesentlich besser als der Firma Schlecker.

Auch die FDP schließt zahlreiche Filialen, zuletzt im Saarland. Für die FDP darf es nun wirklich keinerlei staatliche Hilfsmaßnahmen geben, darauf wird zu achten sein.

Ich habe mal nachgeschaut, woher das Wort „Anschlussverwendung“ kommt. Es ist vor allem ein Begriff der Bundeswehr. Wenn jemand in einer Sondereinheit der Bundeswehr Dienst tut, oder einen gewissen Zeitraum in Afghanistan seinen Kopf riskiert, dann wird hinterher für diese Person, in der Bürokratensprache, eine „Anschlussverwendung“ gesucht. Das Wort taucht auch in einer Verordnung der Bundesregierung aus dem Jahre 2006 auf, in der es um ausscheidende Berufssoldaten ging, damals hieß der Verteidigungsminister Jung, CDU. Auch bei Waffen spricht der Soldat gern von Anschlussverwendung. Beispiel: „Bevor wir unsere aussortierten Maschinengewehre verschrotten, suchen wir doch lieber nach einer Anschlussverwendung in irgendeinem Bürgerkrieg.“

Philipp Rösler war lange bei der Bundeswehr, von 1992 bis 2003, zuletzt als Stabsarzt. Er hat also, als er das Unwort verwendete, vermutlich nichts Böses gedacht, besser gesagt, er hat gar nichts gedacht. Er hat einfach aus einem geistigen Nirwana heraus seinen alten Bundeswehr-Wortschatz abgerufen. Er hat eine öffentliche Äußerung über die gekündigten Schlecker-Arbeiterinnen mit einem internen Schriftsatz über Soldaten verwechselt, die aus Afghanistan zurückkehren. Obwohl die Trennung zwischen privater Wirtschaft und dem Staat doch fast das einzige öffentlich bekannte Anliegen der FDP darstellt, hat er diese Trennung sprachlich leider nicht hinbekommen und aus Versehen das ausgelöst, was man neuerdings auch in Deutschland einen „Shitstorm“ nennt.

Dabei hat seine Partei auch ohne ihn schon genug Probleme. Ob der kleine Herr Rösler herzlos ist, kann man von außen nicht beurteilen, fest aber scheint mir zu stehen, dass er nicht besonders geistesgegenwärtig ist. Eine Anschlussverwendung bei der Bundeswehr scheidet also aus, das wäre für die Rekruten zu gefährlich.

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