Harald Martenstein : Hipster haben auch Fans

28.07.2012 22:47 Uhrvon
  • Die Königsdisziplin: Der Schnauzer. Hipsterinnen müssen da improvisieren Foto: dapd
    Die Königsdisziplin: Der Schnauzer. Hipsterinnen müssen da improvisieren - Foto: dapd
  • Die Hipster sind los. Bei der Hipster-Olympiade 2012 am Postbahnhof legen sich Kontrahenten in Zeug. Hier beim Hornbrillen-Weitwerfen. Foto: dapd
    Die Hipster sind los. Bei der Hipster-Olympiade 2012 am Postbahnhof legen sich Kontrahenten in Zeug. Hier beim Hornbrillen-Weitwerfen. - Foto: dapd
  • Die Hipster-Olympiade fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Foto: Reuters
    Die Hipster-Olympiade fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. - Foto: Reuters

In Kreuzberg sind es die Touristen, in Prenzlauer Berg die Schwaben und in Neukölln seit einiger Zeit die Hipster: Harald Martenstein über neue Definitionen der Berliner Feindbilder.

Der Sommer soll wieder kühler werden. Eine neuere Aufschrift auf einer Berliner Hauswand lautet: „Zündet Touristen an und keiner muss mehr frieren“. Im Görlitzer Park, entnehme ich der Zeitung „Jungle World“, sind Spaziergänger mit Flaschen beworfen worden, weil man sie wegen ihrer unberlinischen Kleidung irrtümlich für Touristen hielt. Am Boxhagener Platz hat jemand die Parole „Touristen fisten!“ auf eine Hotelwand gesprüht.

Es gibt allerdings auch eine Gegenbewegung, die „Hipster Antifa Neukölln“.

Die Gruppe ist auf Facebook aktiv. Sie sagt, sie verstehe nicht, wieso neue Bars oder Bioläden, die oft besprüht werden, grundsätzlich schlecht sein sollen. Und wenn die Mieten steigen, hänge dies mit gesellschaftlichen Prozessen zusammen. Es sei nicht die persönliche Schuld von irgendeinem Touristenpärchen aus Dänemark. Interessant ist der Hinweis, dass es in den Berliner Bezirken unterschiedliche Feindbilder gibt. In Friedrichshain heißt die Hassfigur „Yuppie“. In Prenzlauer Berg richten sich die Parolen auf Häuserwänden immer noch vorzugsweise gegen „Schwaben“. In Kreuzberg und Neukölln dagegen ist das Feindbild der „Hipster“.

Als Hipster bezeichnet man Leute, die Wert auf modisches Äußeres und perfekte Umgangsformen legen und auf Teufel komm raus cool wirken möchten. Hipster tragen schwarze Hornbrillen, oft auch Bärte, sie verhalten sich durchweg ironisch und legen sich weltanschaulich nicht fest, obwohl sie gern die Texte des linken Philosophen Slavoj Zizek lesen. Im Film bevorzugt man unter anderem die Regisseurin Miranda July, in der Musik die Gruppe Arcade Fire.

Anti-Touristen-Aufkleber in Kreuzberg:

Das Phänomen kommt aus den USA und gilt bei Soziologen als Nachgeburt der Beatniks.

Berlin-Mitte, heißt es in der „Jungle World“, sei inzwischen weltweit für die Hipster „etwas Ähnliches wie der Vatikan für die Katholiken“. Na, wenigstens in Mitte muss offenbar kein Hipster Angst davor haben, vom hipsterfeindlichen Kommando „Geschwister Fister“ gefistet zu werden.

In einem Blog schreibt „Katharina G.“, warum sie für Angriffe auf Bioläden ist. Eigentlich sei sie für Bio. Sie habe aber „nicht genug Geld, um im Bioladen einzukaufen“. Deshalb müssen die weg. Ein anderer Blogger schlug vor, dass Touristen in Berlin ein Kennzeichen tragen müssen, ein „T“ vielleicht, damit man sie leicht erkennt und an der Kneipentür abweisen kann. Das war natürlich eine historische Anspielung und ironisch gemeint, offenbar stammt diese Idee aus dem Hipstermilieu.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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