Harald Martenstein : Wenn die FDP mit der S-Bahn fusioniert

Was haben die FDP und die Berliner S-Bahn gemeinsam? Sie wurden aus Gründen der Gewinnmaximierung jahrelang nicht gewartet. Harald Martenstein über die fatalen Konsequenzen.

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Die Berliner S-Bahn steckt in der Dauerkrise - genau wie die FDP. Warum nicht fusionieren?
Die Berliner S-Bahn steckt in der Dauerkrise - genau wie die FDP. Warum nicht fusionieren?Foto: dapd

Im Mai 2009 fängt alles damit an, dass in Kaulsdorf ein Zug entgleist, Ursache: Radbruch. Fast zeitgleich wird auf dem FDP-Parteitag Guido Westerwelle mit 95,8 Prozent der Stimmen als Vorsitzender bestätigt. Bald darauf stellt sich heraus, dass sowohl die S-Bahnen als auch die FDP aus Gründen der Gewinnmaximierung jahrelang nicht gewartet worden sind.

Herbst 2009. Nachdem monatelang kaum S-Bahnen gefahren sind, muss der Verkehr erneut in weiten Teilen eingestellt werden. Die FDP kündigt umfassende Steuersenkungen, die S-Bahn großzügige Entschädigungen der Fahrgäste an.

Dezember 2009. Die FDP hat, als Entschädigung ihrer Fahrgäste, die Mehrwertsteuer für Hoteliers gesenkt. Außenminister Westerwelle erklärt, dass er, wegen eines Fehlers in seiner Software, nicht zur Afghanistankonferenz fahren kann. Die S-Bahn stellt wegen Schneefalls ihren Verkehr ein. An Silvester fahren wegen Stromausfall keine S-Bahnen.

Juli 2010. Wegen der sommerlichen Hitze fallen die FDP-Umfragewerte in Richtung null. In Gesundheits-, Wirtschafts- und Außenpolitik fahren keine Züge mehr. Auch die S-Bahnen stehen wegen Hitze still.

Oktober 2010. Bei der S-Bahn fallen die Bremssandbehälter aus, bei der FDP der stellvertretende Bundesvorsitzende Pinkwart.

Zum Beginn des Winters muss der Büroleiter von Guido Westerwelle wegen der kalten Witterung zurücktreten. Gleichzeitig wird bekannt, dass die S-Bahn seit Jahren geheime Informationen an die US-Botschaft weitergibt, deshalb stürzen so viele US-Drohnen ab. Bei den FDP-Politikern Chatzimarkakis und Silvana Koch-Mehrin brechen im Promotionsgehäuse Kabelschmorbrände aus.

Februar 2011. Wegen einer vereisten Weiche muss sich Außenminister Westerwelle im UN-Sicherheitsrat der Stimme enthalten, im Libyenkonflikt fahren wetterbedingt keine deutschen Züge. Der Berliner Senat fordert, als Ersatz für die FDP, zumindest auf den Hauptstrecken, Taxis einzusetzen.

April 2011. Bei der dritten Baureihe der S-Bahn erklären sämtliche Achsen ihren Rücktritt. Die Jahresbilanz der FDP weist zwei Prozent Zustimmung aus. Im Mai wird Westerwelle, wegen erneuter Haarrisse in seinen Bremszylindern, durch die Achse Rösler-Bahr-Lindner ersetzt. Der FDP-Vorstand erklärt, erst in frühestens drei Jahren sei wieder mit regelmäßigem Verkehr zu rechnen.

Dezember. In Berlin stecken FDP-Mitglieder in havarierten Parteilokalen fest, der Generalsekretär der S-Bahn steht im Verdacht, die Außenspiegel mehrerer Züge abgebrochen zu haben. Erstmals wird der Vorschlag geäußert, die Doppelkrise durch eine Fusion von FDP und S-Bahn zu lösen. Für den Parteivorsitz komme nur Hartmut Mehdorn infrage.

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